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Hoffnung in Mossuls Trümmern

KIRCHE_OÖ

Als Papst Franziskus 2021 die irakische Stadt Mossul besuchte, hatte er aufgrund der Verwüstung Tränen in den Augen. Gut fünf Jahre später war eine Delegation aus Oberösterreich auf den Spuren des Papstes unterwegs.

Ausgabe: 37/2026
08.09.2026
- Georg Pulling
Zerstörung in der Altstadt von Mossul.
Zerstörung in der Altstadt von Mossul.
© Pulling

Der Besuch der Initiative Christlicher Orient (ICO), der Linzer Pro-Oriente-Sektion und der Kardinal-König-Stiftung galt vor allem den Christinnen und Christen in der Ninive-Ebene im Nordwesten des Irak. Die Region, in der es traditionell immer eine bedeutende christliche Minderheit gab, wurde von der Terrorherrschaft des IS schwer getroffen. Als die IS-Milizen 2014 in die Ebene einfielen, mussten alle 100.000 Christen über Nacht flüchten, um ihr Leben zu retten. In Mossul rief Abu Bakr al-Baghdadi das IS-Kalifat aus. Es folgten Jahre des Grauens, des Mordens und des Versuchs, die christliche Präsenz auszulöschen. Alle 35 Kirchen Mossuls hat der IS entweder völlig zerstört oder zumindest schwer verwüstet.


2016/17 wurde die Ninive-Ebene von einer Militärallianz zurückerobert. Was damals noch an Gebäuden und Infrastruktur bestand, wurde bei den Kämpfen dem Erdboden gleichgemacht – vom Leid der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen.


Von den zerstörten Kirchen in der Altstadt wurde nach neun Jahren nur die syrisch-katholische Kathedrale aufwendig renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz, doch ringsum liegt nach wie vor alles in Trümmern. Dabei sind die Trümmer noch nicht das Schlimmste. „Denn es ist immer noch leichter, Gebäude wieder zu errichten, als die Seelen der Menschen zu heilen“, sagte der syrisch-katholische Bischof von Mossul, Mar Benedictus Younan Hanno. Er erzählte der Delegation, dass bisher höchstens 100 christliche Familien in die Stadt zurückgekehrt sind. Zwar sei es derzeit im Irak weitgehend ruhig, doch die Sicherheitslage sei weiter fragil und die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven seien schwierig.

 

„Höllenfeuer“ in Karakosch

 

Bischof Younan hat seinen Amtssitz nicht in Mossul, sondern in der nahen Kleinstadt Karakosch. Sie war früher eine rein christliche Stadt mit rund 50.000 Einwohnern. Nicht einmal die Hälfte sei nach der Rückeroberung bisher zurückgekommen, berichtete der Bischof vor Ort. Die Delegation besichtigte u. a. die große syrisch-katholische Kathedrale, die von den IS-Terroristen schwer beschädigt wurde. Sie verbrannten im Kircheninneren das gesamte Interieur, verursachten so bewusst ein „Höllenfeuer“, das beinahe die Steine zum Schmelzen brachte. Die gesamte Konstruktion wurde so schwer beschädigt, dass die Kirche von Grund auf erneuert werden musste. Im Innenhof der Kirche führte der IS regelmäßig Schießübungen durch. Die Einschusslöcher an der Kirchenwand wurden bis heute nicht verputzt.
Ein weiteres Mahnmal fand die Delegation auch bei der nahen Marienkirche vor. Der IS hatte den Glockenturm der Kirche gesprengt. Die Kirche wurde inzwischen renoviert und mit zwei neuen Türmen versehen, die Reste des ursprünglichen Turms wurden neben der Kirche belassen.

 

Patriarch Nona spricht Klartext

 

Zu Beginn der Irak-Reise sprach der chaldäische Patriarch Paul III. Nona gegenüber der Delegation Klartext: Sehr optimistisch geschätzt leben im Irak heute noch höchstens 300.000 Christinnen und Christen. Er sehe eine seiner Hauptaufgaben darin, alles Menschenmögliche zu unternehmen, damit diese in ihrer Heimat bleiben können. Sollten auch noch die letzten Christen den Irak verlassen, wäre das eine Katastrophe nicht nur für das Land, sondern für die gesamte Christenheit, so der Patriarch, der auf die fast 2.000-jährige christliche Geschichte des Zweistromlandes verwies. Ohne Unterstützung aus dem Ausland sei es für die letzten Christen de facto aber unmöglich, in ihrer Heimat zu bleiben. 


Die Worte des Patriarchen im Ohr konnte die Delegation auf ihrer Reise aber auch schöne Erfahrungen machen. Im kleinen Ort Baqofa nahe Mossul fiel schon von Weitem am Ortsrand eine neue, große Kirche auf – mit Österreich-Bezug. Die Kardinal-König-Stiftung, deren Präsident Bischof Scheuer ist, hat über die ICO die Anschubfinanzierung für den Bau geleistet, nachdem die alte Kirche in Baqofa dem Krieg zum Opfer gefallen war. 


Ein beeindruckendes Zeugnis, was es heißt, als Christ im Irak zu leben, vermittelte der Delegation der Priester Mazin Matoka. Zwei Brüder und sein Vater wurden in Mossul von islamistischen Terroristen ermordet, er selbst wurde gekidnappt, kam dann aber wie durch ein Wunder nach einigen Tagen frei. Das war alles schon vor der Zeit der IS-Terrorherrschaft und zeigt, wie schwierig das Los der Christen auch schon davor war. Nun kümmert sich P. Mazin um den Wiederaufbau des Klosters Mar Behnam, das – wie könnte es anders sein – vom IS geschändet wurde. Das Grabmal des heiligen Behnam versuchten die IS-Milizen zu sprengen, die Kirche wurde verwüstet, und in den Klosterräumlichkeiten wurde ein IS-Militärlager eingerichtet. 

 

Versöhnung und Frieden

 

Im Kircheninneren wird fleißig gearbeitet, in den bereits wiederhergestellten Klosterräumen werden gerne Gäste aufgenommen, erzählte P. Mazin. Das Kloster ist wieder eine von Christen, aber auch vielen Muslimen gerne aufgesuchte Wallfahrtsstätte. P. Mazin will sich für Versöhnung und Frieden einsetzen, wie er sagte.


Ein weiteres positives Highlight der Reise: In der wiederaufgebauten chaldäischen Pauluskirche in Mossul wurde jenes Holzkreuz aufgestellt, vor dem Papst Franziskus bei seinem Besuch 2021 so eindringlich zum Frieden aufgerufen hat. Das Kreuz steht als Zeichen der Hoffnung, dass die Christen im Irak doch noch eine Zukunft haben.    

 

 

Bischof Scheuer über die Christen im Irak:

 

„Ein Naher Osten ohne Christen“, erzählte uns der neue chaldäische Patriarch Paul III. Nona, „wäre ein großes Desaster, ein Verlust der Wurzeln, ja eine große Sünde. Ich bin dankbar dafür, dass die Christen im Irak fest im Glauben stehen.“


Die Solidarität der Initiative Christlicher Orient (ICO) macht etwa den chaldäischen Christen in einer überaus schwierigen Situation Mut. Sie brauchen das Gebet und auch konkrete Besuche, um das Gefühl zu überwinden, von den Christen im Westen vergessen, im Stich gelassen, ja fallen gelassen zu sein. 


Der frühere chaldäische Patriarch Louis Sako meinte: „Es geht um Solidarität durch Taten, nicht nur durch Worte.“ Diese Solidarität steht unter der Verheißung der Auferstehung. Es braucht aber auch die politische Unterstützung und konkrete wirtschaftliche, pädagogische und soziale Projekte, damit die Christen im Irak eine Zukunft haben.

 


Die Initiative Christlicher Orient

 

Die ICO setzt jedes Jahr im Irak zwischen 15 und 20 Hilfsprojekte um. 
So wird etwa in abgelegenen Dörfern in der bergigen Region im Norden des Landes Heizöl an die verarmte Bevölkerung geliefert. Zudem werden Kindergärten unterstützt und auch ein Flüchtlingslager betreut, in dem Jesiden untergebracht sind. 
In der Ninive-Ebene werden derzeit vor allem kleine Wirtschafts- und Bildungsprojekte unterstützt, damit die zurückgekehrten Christen sich eine eigene Existenz aufbauen können.

 

Informationen: 
www.christlicher-orient.at

In Karakosch besuchte Bischof Manfred ­Scheuer mit Bischofsvikar Slawomir Dadas die Marienkirche. Ihr Glockenturm wurde vom IS gesprengt.
In Karakosch besuchte Bischof Manfred ­Scheuer mit Bischofsvikar Slawomir Dadas die Marienkirche. Ihr Glockenturm wurde vom IS gesprengt.
© Pulling
Bischof Scheuer im Gespräch mit dem chaldäischen Patriarchen Paul III. Nona.
Bischof Scheuer im Gespräch mit dem chaldäischen Patriarchen Paul III. Nona.
© Pulling
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