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SONNTAG 13. September 2026
24. SONNTAG IM JAHRESKREIS | LESEJAHR A
WORT ZUM SONNTAG
Niemand lebt für sich allein
WORT ZUM SONNTAG
Rom bewahrt „seinem“ Apostel ein prachtvolles Angedenken: die Päpstliche Basilika St. Paul vor den Mauern.
Rom bewahrt „seinem“ Apostel ein prachtvolles Angedenken: die Päpstliche Basilika St. Paul vor den Mauern.
kathbild.at / Franz Josef Rupprecht
1. Lesung: Jesus Sirach 27, 30 – 28, 7

Groll und Zorn, auch diese sind Gräuel und ein sündiger Mann hält an ihnen fest. Wer sich rächt, erfährt Rache vom Herrn; seine Sünden behält er gewiss im Gedächtnis. Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben! Ein Mensch verharrt gegen einen Menschen im Zorn, beim Herrn aber sucht er Heilung? Mit einem Menschen gleich ihm hat er kein Erbarmen, aber wegen seiner Sünden bittet er um Verzeihung?

 

Er selbst – ein Wesen aus Fleisch, verharrt im Groll. Wer wird seine Sünden vergeben? Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft, denk an Untergang und Tod und bleib den Geboten treu! Denk an die Gebote und grolle dem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler!

2. Lesung: Römerbrief 14, 7–9

Schwestern und Brüder! Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

Evangelium: Matthäus 18, 21–35

In jener Zeit trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.

 

Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war.

 

Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn und berichteten ihm alles, was geschehen war.

 

Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem Bruder von Herzen vergibt.

Antwortpsalm: 103

Preise den Herrn, meine Seele, 
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Preise den Herrn, meine Seele, 
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! 


Der dir all deine Schuld vergibt 
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet 
und dich mit Huld und Erbarmen krönt.


Er wird nicht immer rechten 
und nicht ewig trägt er nach.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden 
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.


So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, 
so weit entfernt er von uns unsere Frevel.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, 
so erbarmt sich der Herr über alle, 
die ihn fürchten.


Wort zur zweiten Lesung _
Niemand lebt für sich allein

„Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber.“ Dieser Satz des Paulus wirkt zunächst ungewohnt. Schließlich legen wir heute großen Wert auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Doch Paulus bestreitet nicht die Freiheit des Menschen. Er erinnert vielmehr daran, dass niemand für sich allein lebt. Unser Leben ist von Beziehungen geprägt. Was wir sagen, tun oder unterlassen, bleibt nicht ohne Wirkung auf andere.


Im Hintergrund stehen Konflikte in der Gemeinde von Rom. Die einen hielten an jüdischen Traditionen fest, andere lebten ihren Glauben freier. Man stritt über Feiertage und Speisevorschriften. Paulus entscheidet diese Fragen nicht einfach. Viel wichtiger ist ihm eine andere Einsicht: Niemand soll auf den anderen herabschauen. Denn nicht die eigene religiöse Praxis macht einen Menschen wertvoll, sondern die Zugehörigkeit zu Christus.


Das ist ein Gedanke, der bis heute aktuell geblieben ist. Auch in der Kirche gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Glaube gelebt werden soll. Manche schätzen vertraute Traditionen, andere suchen nach neuen Formen. Paulus lädt dazu ein, diese Unterschiede nicht als Bedrohung zu verstehen. Wer zu Christus gehört, muss nicht jede Meinung teilen. Aber er kann dem anderen mit Respekt begegnen.

 

Zum Weiterdenken


Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft: Wir leben nicht für uns allein. Wir sind Teil einer Gemeinschaft. Gerade deshalb sind Achtung, Geduld und ein wohlwollender Blick aufeinander kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck gelebten Glaubens.

Lukas Pallitsch
Wort zum Sonntag

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

Kontakt: sonntag@koopredaktion.at

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