Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

In jenen Tagen kam Elíja zum Gottesberg Horeb. Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.
Schwestern und Brüder! Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist: Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz. Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein, von Christus getrennt, um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.
Sie sind Israeliten; ihnen gehören die Sohnschaft, die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse; ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen; ihnen gehören die Väter und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach. Gott, der über allem ist, er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
Ich will hören, was Gott redet:
Frieden verkündet der Herr
seinem Volk und seinen Frommen,
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist denen nahe,
die ihn fürchten,
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
Es begegnen einander Huld und Treue;
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor;
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
Ja, der Herr gibt Gutes
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her
und bahnt den Weg seiner Schritte.
Diese Verse bilden den Auftakt zu den zentralen drei Kapiteln des Römerbriefs. Dieser Auftakt rüttelt auf. Denn Paulus wird in diesem Abschnitt leidenschaftlich. Mehr noch, er jubelt förmlich über die geistigen Schätze Israels.
Paulus war einst ein frommer Pharisäer und geht nun nach seinem Damaskuserlebnis einen anderen Weg. Er ist überzeugt, dass Jesus der Messias ist. Damit trennen sich die Wege. Aber für das, was Paulus hier aufzählt, bin ich dankbar, auch wenn es ihm das Herz zerreißt. „Sie sind die Israeliten“, das Volk Gotts, von Gott auserwählt, geliebt von Anbeginn. Zweitausend Jahre später, nachdem Paulus dies geschrieben hat, sehen wir: Nicht immer wurde dieser Schatz gewürdigt. Im Gegenteil, es wurde versucht, Geschichte neu zu schreiben. Heute erkennen wir, wie fatal diese Versuche waren.
Vieles ließe sich dazu sagen, doch nur eine Frage möchte ich stellen: Liegt in diesen Schätzen heute noch eine Kraft für den christlichen Glauben? Klar und ich denke überdies, dass eine Erneuerung der Kirchen aus dem Geist und der Praxis des christlich-jüdischen Dialogs möglich und wichtig ist. Der Dialog mit dem Judentum ist nicht nur eine freundliche Geste, sondern er berührt – wie Paulus schreibt – die Substanz des Glaubens selbst. Und das meint nicht die Aufhebung von Differenzen oder reine Harmonisierungsgesten. Es meint auch, den Blick dafür zu schärfen, dass Jesus nicht zeitenthoben lebte, sondern die Tora, also die Weisung des „Ersten Testamentes“, las und sie lehrte. Dass Jesus ein gläubiger Jude war. Was bedeutet das für meinen Glauben? Was heißt das für meine Spiritualität?

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen