Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, „Gewalt und Unterdrückung“ muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, vermochte es aber nicht.
Ich ermahne euch, Schwestern und Brüder, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!
In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
Gott, mein Gott bist du, dich suche ich,
es dürstet nach dir meine Seele.
Nach dir schmachtet mein Fleisch
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum,
zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Huld ist besser als das Leben.
Meine Lippen werden dich rühmen.
So preise ich dich in meinem Leben,
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele,
mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen.
Ja, du wurdest meine Hilfe,
ich juble im Schatten deiner Flügel.
Meine Seele hängt an dir,
fest hält mich deine Rechte.
Nur zwei Verse beinhaltet die Lesung. Es ist der Auftakt, der Paulus dazu dient, der Gemeinde in Rom sein theologisches Programm vorzustellen. Ein wichtiges Thema für ihn ist die Identität der christlichen Gemeinde in der Welt. Ihm geht es nicht um Kult und auch nicht um Opfer, sondern um eine innere Haltung. Entscheidend ist, den Willen Gottes zu tun.
Das ist zugleich gut und gefährlich. Es ist gefährlich, weil ich immer wieder erlebe, wie besonders religiöse Menschen sich von der „schlechten Welt“ absetzen. Problematisch wird Religion dort, wo Menschen ihre eigene Identität dadurch stärken, dass sie andere abwerten. Dann entsteht schnell das Gefühl, selbst auf der richtigen Seite zu stehen, während andere ausgeschlossen werden. Paulus geht es jedoch nicht um Abgrenzung, sondern um die Frage, wie ein Leben gelingen kann, das sich am Willen Gottes orientiert. Es ist gefährlich, die eigene Identität im Kontrast zu anderen auszubilden. Das ist auch nicht die Position der Amtskirche, die in anderen Religionen Funken von Wahrheit erkennen kann.
Gut finde ich aber, dass Paulus großen Wert darauf legt, dass es weder auf Opfer noch auf Rituale ankommt, sondern auf eine innere Haltung. Der Wille Gottes zeigt sich nicht zuerst in religiösen Leistungen, sondern in einer Lebenshaltung, die dem Wohl anderer dient. Rituale können dabei helfen. Sie sind nicht das Ziel, sondern eine Quelle, aus der Menschen Kraft für ihren Alltag schöpfen, um den Blick auf die Menschen und die Welt zu schärfen.

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen