Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
In Trauer, Dankbarkeit und Hoffnung geben Bischof Manfred Scheuer und der Abt von St. Lambrecht Alfred Eichmann OSB bekannt, dass Bischof em. Maximilian Aichern am 31. Jänner 2026 im 94. Lebensjahr im Domherrenhaus in Linz verstorben ist.
Fast 24 Jahre lang, von 1982 bis 2005, war Maximilian Aichern OSB, gebürtiger Wiener und Benediktiner von St. Lambrecht, der Diözese Linz vorgestanden. Er hatte die Kirche als „Sozialbischof“ weit über Oberösterreichs Grenzen hinaus geprägt.
Getreu seinem bischöflichen Wahlspruch „In caritate servire“ (In Liebe dienen) nahm Aichern auch als emeritierter Bischof bis vor etwa einem Jahr etliche Dienste in der Diözese Linz wahr, etwa in der Leitung von Festgottesdiensten, bei Firmungen und Vorträgen. Probleme mit den Beinen hatten ihn in seinen letzten Lebensjahren in seiner Mobilität erheblich eingeschränkt und zunehmend geschwächt. Sein Interesse an kirchlichen und gesellschaftlichen Themen war jedoch bis zuletzt ungebrochen.
In den Morgenstunden des 31. Jänner 2026 verstarb Maximilian Aichern im 94. Lebensjahr. Bischof Manfred Scheuer, seine Haushälterin und Betreuerin Hildegard Rattan und sein Sekretär und Zeremoniär Thomas Hintersteiner beteten in seinen letzten Stunden mit ihm und für ihn.
Maximilian Aichern hatte am 26. Dezember seinen 93. Geburtstag gefeiert. Am 17. Jänner 2026 hatte sich der Tag seiner Bischofsweihe im Linzer Mariendom zum 44. Mal gejährt.
Bischof Manfred Scheuer in einer ersten Stellungnahme: „Traurig aber mit großer Dankbarkeit blicke ich auf das Wirken von Bischof Maximilian Aichern, der unsere Diözese mit seinem weiten Herzen, seiner Menschenfreundlichkeit und seinem tiefen Glauben geprägt hat. Er war ein Brückenbauer, der stets den Dialog suchte – in der Kirche ebenso wie in der Gesellschaft. Seine geistige Strahlkraft und sein unerschütterliches Vertrauen in eine gute Zukunft bleiben uns Vermächtnis und Auftrag. Und dennoch: Er wird uns allen sehr fehlen. Ich möchte einladen zum Gebet für unseren Bischof Maximilian. Gott schenke ihm den Himmel.“
Die große Glocke des Mariendoms lud mit15-minütigem Läuten zum Gebet für den Verstorbenen ein. Als Zeichen der diözesanweiten Trauer werden in den oö. Pfarrgemeinden zur nächsten bzw. übernächsten vollen Stunde die Kirchenglocken für 10 Minuten läuten. Alle kirchlichen Gebäude werden schwarz beflaggt.
Nähere Informationen zu den Abschiedsfeierlichkeiten werden erst bekannt gegeben.
Anlässlich des Heimgangs von Bischof Aichern ändert der ORF sein Programm. So wird am Sonntag um 12.54 Uhr in ORF2 in "KREUZ&QUER PLUS" ein Nachruf "In memoriam Altbischof Maximilian Aichern" gesendet.
26. Dezember 1932 – 31. Jänner 2026
Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 als Sohn eines Fleischhauers in Wien geboren. Sein Vater stammte aus Kärnten, die Mutter aus Niederösterreich. 1954 trat er in das Benediktinerkloster St. Lambrecht (Steiermark) ein. Er studierte an der Universität Salzburg und an der Päpstlichen Hochschule Sant‘Anselmo in Rom. 1959 wurde er in der Abtei Subiaco bei Rom zum Priester geweiht. 1964 erfolgte die Wahl zum Abtkoadjutor. Die Abtweihe empfing Maximilian Aichern am 12. Juli 1964. 1977 wurde er, nach dem Tod seines Vorgängers, Abt von St. Lambrecht. Ein Jahr später wählte man ihn auch zum Abtpräses der österreichischen Benediktinerkongregation.
Am 15. Dezember 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum zwölften Bischof von Linz. Die Bischofsweihe am 17. Jänner 1982 führte trotz der arktischen Temperaturen rund 10.000 Gläubige in den Linzer Mariendom. Die Weihe wurde von Kardinal Dr. Franz König gemeinsam mit Bischof Dr. Franz Zauner und Bischof Dr. Alois Wagner vollzogen. Als bischöflichen Wahlspruch wählte sich Maximilian Aichern „In caritate servire“ (In Liebe dienen). Sein persönlicher Lebensstil war auch als Bischof stets von Einfachheit und Bescheidenheit geprägt.
Vom Beginn seines bischöflichen Wirkens an gewann Bischof Maximilian mit seiner herzlichen, zugewandten Art die Zuneigung der Oberösterreicher:innen. Es war kennzeichnend für sein bischöfliches Wirken, dass er in nur zehn Jahren nach seinem Amtsantritt in sämtlichen Pfarren der Diözese zur offiziellen bischöflichen Visitation war. Zu den Höhepunkten der ersten zehn Jahre im Bischofsamt gehörten zweifellos auch die beiden Besuche von Papst Johannes Paul II. in Österreich (1983 und 1988).
Bischof Maximilian machte sich über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen als „Sozialbischof“. Immer wieder meldete er sich zu Wort, wenn es galt, die Menschenwürde zu verteidigen und wenn durch gesellschaftliche Tendenzen die Verzweckung des Menschen drohte. Der 1990 erschienene „Sozialhirtenbrief“ der österreichischen Bischöfe, das Sozialwort der 14 christlichen Kirchen 2003, die 1997 im Bischofshof unterzeichnete „Allianz für den freien Sonntag“ – alle diese sozialen Meilensteine trugen Aicherns Handschrift.
Ein besonderes Anliegen waren ihm auch ein fruchtbares Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienmitarbeiter:innen in der Seelsorge und die Förderung von Frauen. Er gründete 1997 die diözesane Frauenkommission und startete 2001 einen Gleichstellungsprozess in der Kirche Oberösterreichs.
Am 18. September 2005 übergab Bischof Maximilian Aichern das Amt des Diözesanbischofs an den bisherigen Weihbischof von Wien, Ludwig Schwarz. Auch unter Diözesanbischof Manfred Scheuer, der das Amt am 17. Jänner 2016 von Bischof Ludwig übernahm, brachte sich Bischof Maximilian in der Diözese und weit darüber hinaus aktiv in das kirchliche, gesellschaftliche, soziale und kulturelle Leben ein. Ein Anliegen war ihm stets ein enger Kontakt zu den Partnerdiözesen, zudem vertrat er viele Jahre lang die österreichischen Bischöfe in der italienischen Bischofskonferenz.
Maximilian Aichern unterstützte Bischof Manfred Scheuer bis ins hohe Alter in liturgischen und repräsentativen Aufgaben; er übernahm Aushilfen in oberösterreichischen Pfarren und manche Dienste auch in österreichischen Klöstern. Probleme mit den Beinen hatten ihn in seinen letzten Lebensjahren in seiner Mobilität erheblich eingeschränkt und ihn zunehmend geschwächt. Am 31. Jänner 2026 verstarb Bischof em. Maximilian Aichern im Linzer Domherrenhaus.
Bischof Maximilian Aichern erhielt 1993 von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Passau die Würde eines Ehrendoktors der Theologie verliehen. Die Stadt Linz ernannte Bischof Aichern 1994 zum Ehrenbürger. Er war Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes OÖ (2005), ebenfalls 2005 erhielt er die Goldene Ehrennadel für Verdienste um die Oberösterreichische Wirtschaft. 2006 wurde ihm der Karl-Leitl-Partnerschaftspreis „Partnerschaft in der Arbeitswelt“ an der JKU Linz (2006) verliehen, 2007 der Fritz-Freyschlag-Ehrenpreis der Arbeiterkammer OÖ. 2008 erhielt er den „Erwin-Wenzl-Ehrenpreis“ der ÖVP, 2011 den „Mérite Européen“ in Gold der Europäischen Föderalistischen Bewegung beim Europa-Forum Neumarkt (Stmk.), 2013 den ÖGB-Award. 2019 wurde Bischof em. Maximilian Aichern der Sonderpreis „Oberösterreicher von Herzen“ des von der BezirksRundschau vergebenen „Regionalitätspreises“ verliehen. 2023 wurde er vom „European Youth Forum Neumarkt“ mit der Europa-Friedensmedaille geehrt.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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