Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Von außen wirkt es unscheinbar, ein nüchterner Bau der 1970er-Jahre, nur ein schlichtes Kreuz auf dem Kirchenvorplatz verrät: Hier schlägt das Herz einer Kirchengemeinde. Beim Betreten des Pfarrzentrums in Braunau St. Franziskus merkt man jedoch staunend, dass sich hier mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Das ganze Haus ist unterkellert und bietet unter anderem einen großen Veranstaltungssaal. Außerdem befinden sich im Untergeschoß mehrere Gruppenräume. Ein Jugendtreff ist hier einquartiert, der von der Pfarrgemeinde gegründet wurde und seit 2011 vom Verein „Y4U“ geleitet wird.
Im Erdgeschoß befindet sich der Pfarrsaal, der zu einem Gottesdienstraum umgebaut wurde. Denn bereits in den 1980er-Jahren hatte man den Plan eines Kirchenzubaus aufgegeben.
So wie die Möglichkeiten des Gebäudes wahrscheinlich oft unterschätzt werden, ist auch das Leben und Engagement der mit rund 1.100 Katholik:innen relativ kleinen Pfarrgemeinde bunter, als ein erster flüchtiger Blick von außen vermuten lassen würde.
Viele Impulse sind in den vergangenen Jahrzehnten von der Pfarrgemeinde im Braunauer Stadtviertel Neustadt ausgegangen, wie etwa die Braunauer Tafel, das Frauenhaus oder Initiativen zur Unterstützung Bedürftiger. Im Pfarrhof fanden immer wieder Menschen einen Unterschlupf, die dringend ein Dach über dem Kopf brauchten. Seit fünf Jahren beherbergt die Gemeinde eine kurdische Familie, die hier Sicherheit und ein Zuhause gefunden hat. „Die Pfarrgemeinde funktioniert wie eine große Familie, die zusammenhält. Die Gemeinschaft ist emanzipiert und solidarisch“, sagt Seelsorgeteam-Mitglied Eleonora Zarl.
Auch heute zeichnen die Pfarrgemeinde ein starker Zusammenhalt und der große Einsatz der Ehrenamtlichen aus. „Die Gemeindemitglieder schätzen außerdem die gut gestalteten Gottesdienste“, sagt Elisabeth Kronreif, die in St. Franziskus als Seelsorgerin wirkt. Dies mag auch ein Grund sein, dass die Zahl der Gottesdienstbesucher:innen nach der Corona-Pandemie wieder leicht gestiegen ist. An den Sonntagen feiern derzeit etwa 50 bis 80 Personen mit.
Die Verantwortlichen in Braunau St. Franziskus betonen diese positive Entwicklung aus gutem Grund. Denn immer wieder waren Stimmen zu hören, die die Zukunft einer der jüngsten Pfarrgemeinden der Diözese infrage stellten. Die dringend notwendige Sanierung des Pfarrzentrums schwebte wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde. In den schlimmsten Zeiten rann Wasser direkt in den Verteilerkasten, manchmal tropfte es sogar aus Steckdosen.
In dieser Situation verschaffte sich die Pfarrgemeinde mit Improvisationstalent Zeit. „Eine Gruppe Ehrenamtlicher hat das Dach mit einer Gartenfolie und Schotter abgedichtet“, erzählt Brigitte Preisch, die als Vorsitzende des Bauausschusses schon seit vielen Jahren mit dem Zustand des Gebäudes befasst ist. Diese behelfsmäßige Abdichtung brachte zwar eine kurzfristige Entlastung, doch eine dauerhafte Lösung musste gefunden werden.
2017 wurden daher die Weichen für einen Abriss des Pfarrzentrums gestellt. Ein Wohnbauprojekt mit Sozialzentrum sollte entstehen, das neben einem Gottesdienstraum und Gruppenräumen auch Einrichtungen wie die Caritas beherbergt hätte.
Im Jänner 2025 kam jedoch die Wende. Der Pfarrgemeinderat beschloss, das Großprojekt endgültig aufzugeben. Einer der Hauptgründe für das Scheitern waren die stark gestiegenen Baukosten infolge des Ukraine-Krieges.
Doch es wäre nicht St. Franziskus, wenn die Pfarrgemeinde nicht erneut eine Lösung gefunden hätte. Eine positive Überraschung half dabei: Ein Sachverständigengutachten kam zum Ergebnis, dass sich das Gebäude statisch in einem einwandfreien Zustand befindet. Die Betonqualität ist sogar gut bis sehr gut. Um größere Schäden zu vermeiden, muss allerdings die Dachhaut zeitnah saniert werden.
„Lange hat man geglaubt, dass das Pfarrzentrum abbruch-
reif ist. Das hat so aber nie gestimmt“, sagt Brigitte Preisch.
Die Sanierung wird nun aus dem bevorstehenden Verkauf des ursprünglich für die Kirche vorgesehenen Grundstücks finanziert. Gleichzeitig soll der Pfarrhof für Vermietungen adaptiert werden. Es ist ein Schritt, der den Pfarrbetrieb langfristig absichert.
Die Pfarrgemeinde hofft nun auf einen baldigen Starttermin zur Renovierung in Abstimmung mit der Diözese Linz.
Eines ist jedenfalls sicher: Die Mühen haben sich gelohnt und St. Franziskus bleibt präsent in einem Stadtteil, der weiter Bevölkerungszuwachs haben wird.
Damit soll Realität werden, was die Pfarrgemeinde St. Franziskus in ihrem Konzept zum Bauvorhaben formuliert: „Unsere Pfarrgemeinde soll auch zukünftig als Kirche des Aufbruchs und als Ort der Stärkung präsent sein, wo Menschen gut miteinander feiern, handeln und leben können.“

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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