Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Ihre Pilgerreise ins Heilige Land war schon gebucht, als wenige Wochen vor dem Abflug die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 den schrecklichen Überfall auf Israel verübte. Seither ist der Pilgertourismus zum Erliegen gekommen.
„Vielleicht ist mir gerade deswegen die Ausstellung ein so großes Anliegen, weil ich selbst nicht ins Heilige Land fahren konnte“, sagt Barbara Weikerstorfer. Die pensionierte Verlagsangestellte leitet als geschäftsführende Obfrau den St.-Berthold-Verein, der sich vor allem um das Stiftsmuseum in den Räumen des ehemaligen Benediktinerstifts Garsten annimmt. Bei der Arbeit in den Museumsräumen ist die ausgebildete Kustodin auch auf jenen großformatigen Bilderrahmen gestoßen, der eine kleine Sensation enthält: einen kolorierten Kupferstich, der in Amsterdam um 1700 entstand und der das Heilige Land zeigt. Die Karte ist ein Werk des niederländischen Kupferstechers und Verlegers Justus Danckerts (1635 –1701), der gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern einen der führenden niederländischen Verlage für Karten und Atlanten gründete.
Wie und wann dieses besondere Kartenwerk in das Stift Garsten gelangte, lässt sich nicht nachvollziehen. Es liegen keine Quellen über einen Ankauf oder Ähnliches vor. Weikerstorfer geht aber davon aus, dass es noch vor der Aufhebung des Klosters durch Kaiser Joseph II. in das Stift gekommen ist. Ein älterer Bewohner Garstens wusste, dass es in den 1930er-Jahren einmal in der Pfarrerswohnung hing. Auf jeden Fall war zur Zeit der Wiederauffindung das Papier der Landkarte derart desolat, dass eine aufwendige Bearbeitung durch den Papierrestaurator Markus Krön notwendig wurde. Die gelungene Erneuerung wird nun erstmals öffentlich zu sehen sein: von 19. Juni 2026 bis März 2027. Dazu hat Barbara Weikerstorfer in zwei Räumen des Stiftsmuseums eine Sonderausstellung mit dem Thema „Pilgerziel Jerusalem“ gestaltet.
Prunkstück der Schau ist die Heilig-Land-Karte von Justus Danckerts in der ehemaligen Paramentenkammer des Klosters. Wenn man nahe an die Karte herangeht, sieht man eine Reihe von Begebenheiten aus dem Leben Jesu skizzenhaft dargestellt und schlagwortartig beschriftet. Auch das Alte Testament, zum Beispiel mit den Grenzen der zwölf Stämme Israels, ist in die Karte integriert. Unterstützt von Nikolaus Schobesberger von der Österreichischen Nationalbibliothek und weiteren Experten kann Weikerstorfer ergänzend noch Faksimiles von weiteren Heilig- Land-Karten und Landschaftsdarstellungen präsentieren, die die Quellen Danckerts erkennen lassen und die zeigen, wie er spätere Kartografen beeinflusst hat. Die Heilig-Land- Karten dienten eher der Erinnerung an eine Reise oder der spirituellen Verbindung mit dem Leben Jesu als der geografischen Orientierung.
Waren zur Zeit Danckerts’ Pilgerreisen ins Heilige Land ein Privileg weniger, hat sich das gegen Ende des 19. Jahrhunderts grundlegend geändert. Die drei oberösterreichischen Pilgerzüge nach Jerusalem in den Jahren 1900, 1904 und 1910 mit jeweils rund fünfhundert Teilnehmer:innen zeugen davon. Von diesen Volkswallfahrten haben sich nicht nur drei umfangreiche Pilgerbücher erhalten, sondern eine Reihe von Andenken. Mithilfe von Topothekaren aus der Region, mit Unterstützung des Stiftes Schlierbach und durch Recherchen in der näheren Umgebung konnte die Museumskustodin Weikerstorfer eine Reihe von Fotos, Mitbringseln und religiösen Andenken aus dem Heiligen Land zusammentragen. Diese werden in einem zweiten Raum, dem Winterchor, ausgestellt. Ein Pilger, dem die Reise in das Land Jesu besonders viel bedeutete, war der Schlierbacher Zisterzienser P. Jakobus Mühlböck. Er ließ sich bereits zu Lebzeiten eine Grabtafel mit dem Jerusalemkreuz anfertigen, das ihn über seinen Tod im Jahr 1973 hinaus als Heilig- Land-Wallfahrer ausweist. Ein Foto zeigt ihn mit einer Binde am Arm, in die mit rotem Garn das Jerusalemkreuz und die Nummer 318 gestickt sind. Jeder Pilger hatte aus organisatorischen Gründen stets seine Binde mit der ihm zugewiesenen Nummer zu tragen.
Ein anderes Bild zeigt Marianne Kautsch, die – als Nichtkatholikin – im Alter von 63 Jahren 1910 an dieser strapaziösen Reise, dem 3. oö. Pilgerzug, teilnahm. Sie gilt als Gründerin und Kustodin des Steyrer Museums. Weiters findet sich ein mit Perlmutt verziertes Kreuz in der Ausstellung, ein typisches Andenken aus dem Heiligen Land; ebenso tragen Bilder mit getrockneten Blumen aus der Heimat Jesu zu der sehr sehenswerten Schau bei.
Die Ausstellung im Stiftsmuseum Garsten zeigt Landkarten vom Heiligen Land (vom Mittelalter bis heute)und Erinnerungsgegenstände von den oö. Volkswallfahrten um 1900. Für Gruppen (ab fünf Personen) ist ein Besuch nach Vereinbarung möglich. E-Mail:
pfarre.garsten@dioezese-linz.at oder Tel. 07252 54196
Fixe Öffnungszeiten
Sonntag, 21. Juni und 28. Juni, ab 11 Uhr
Sonntag, 5. Juli, ab 10 Uhr (nach dem Festgottesdienst)
Freitag, 24. Juli, 21. August und 25. Sept., 16 bis 18:30 Uhr
Zum Foto der Danckerts-Karte:
Der Ausschnitt aus der Danckerts-Karte zeigt den See Gennesaret: Am Seeufer finden sich zum Beispiel Darstellungen der Bergpredigt, die wunderbare Brotvermehrung, ebenso die Stillung des Seesturms und der Berg Tabor. Das Gebiet um Kafarnaum befindet sich im Gebiet des Stammes Naphtali.

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
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