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Maximilian Aichern - Seelsorger der Nähe

KIRCHE_OÖ

Für viele Vertreter:innen aus Kirche und Politik war Bischof Maximilian Aichern ein großer Seelsorger, ein Pionier der Ökumene und ein Mann, der Bleibendes schuf.

Ausgabe: 06/2026
03.02.2026
- LH/JW
Mit Landeshauptmann Josef Ratzenböck, der im Dezember 2025 verstorben ist, hat Aichern nach eigenen Worten „positivst“ zusammengearbeitet.
Mit Landeshauptmann Josef Ratzenböck, der im Dezember 2025 verstorben ist, hat Aichern nach eigenen Worten „positivst“ zusammengearbeitet.
© Gansinger/kiz

„Mit tiefer Dankbarkeit“ blickt Kardinal Christoph Schönborn auf das Wirken Maximilian Aicherns zurück. Er nennt ihn einen bedeutenden österreichischen Hirten, der „zeit seines Lebens ein Seelsorger der Nähe“ geblieben sei. 


Mit Aichern sei jemand heimgegangen, „der sein Amt und seine Sendung als Hirte unmittelbar im Herzen seiner Herde lebte“, sagt der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner.

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer spricht von Altbischof Aichern als einer „moralischen und geistigen Säule unseres Landes. Sein unermüdliches Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die Würde jeder einzelnen Person und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft bleiben Vorbild und Auftrag für uns alle.“

 

Für Christoph Leitl, langjähriger Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, war Aichern ein „persönlicher Freund und Wegbegleiter, den ich als kritischer Katholik sehr geschätzt habe, weil er moderne Zugänge zum Glauben und zeitgemäße Standpunkte hatte, was zum Beispiel die Einbeziehung der Frauen betrifft“. 

 

„Er suchte die Menschen“


„Er war ein Hirte, der die Menschen suchte und verstand“, heißt es im Nachruf des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl auf Maximilian Aichern. „Er wusste, was Arbeit bedeutet und wo den Leuten der Schuh drückt.“

 

„Er war ein offenherziger, an vielem interessierter Mensch, der dem Evangelium schon als Abt und durch seine Lebensgeschichte Hand und Fuß verliehen hat“, sagt der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl.

 

Für den St. Pöltner Bischof Alois Schwarz war Aichern „ein aufmerksamer Zuhörer und sozial einfühlsamer Seelsorger, der es im Umgang mit den Menschen verstand, dort zu helfen, wo die Not am größten war.“

 

Dankbar für zahlreiche persönliche Ermutigungen, die er von ihm erhalten habe, äußerte sich der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler: „Seine geerdete, benediktinische Spiritualität, seine Lebensfreude und beständige Sorge um ein belastbares Miteinander in einer vielfach belasteten Gesellschaft wurden für unzählige Menschen zur echten Orientierung.“

 

Bleibendes Vorbild


Für Priorin Sr. Franziska Madl, Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, war Bischof Maximilian „als Hirte und Seelsorger ganz nah bei den Menschen. Als Ordensmann hatte er außerdem eine besondere Aufmerksamkeit für die Bedeutung und die Bedürfnisse von Ordensleuten in der Kirche und darüber hinaus.“

 

Dass Bischof Aichern in Linz, in der Bischofskonferenz und in Rom auch auf Leute traf, „die seine Amtsführung nicht nur gut fanden“, erwähnte der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner in seinem Nachruf. Aichern habe viele Entwicklungen in der Diözese Linz zugelassen, die andere für den Kirchenkurs Verantwortliche missbilligt hätten. 


Der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) gedenkt in großer Dankbarkeit eines „großen Pioniers der Ökumene“. Bischof Maximilian Aicherns Einsatz für das gemeinsame Zeugnis der Christen in der Welt, für mehr Mitmenschlichkeit und soziale Gerechtigkeit „sind uns bleibendes Vorbild“.

 

Auch die Evangelische Kirche in OÖ trauert um Bischof Aichern als einen „treuen Freund“ und „Motor der Ökumene“. Superintendent Gerold Lehner erinnert in seinem Nachruf, die Ökumene in OÖ habe nicht erst mit Bischof Maximilian begonnen, „aber er hat sie energisch gefördert“. Lehner: „Er war ein Licht, nicht nur in der Kirche, sondern auch in dieser und für diese Welt. Ein Licht der Orientierung und ein Licht der Wärme.“  

 

Kaplan Franz Sieder

 

Ein Edelstein

von Franz Sieder

 

Bischof Maximilian ist mir zu einem ehrlichen Freund geworden. Wir waren bis zum Schluss in Kontakt. Wir haben viel miteinander telefoniert. Ich kann nur unterstreichen, was jemand einmal über ihn gesagt hat: Seine Progressivität liegt in seiner Menschlichkeit. Bischof Maximilian war meiner Ansicht nach der einzige Bischof in Österreich, der die Arbeiter- und Betriebsseelsorge hundertprozentig bejaht und gefördert hat. Er hat sehr viel für die Versöhnung von Kirche und Gewerkschaft und Sozialdemokratie getan. Bischof Maximilian war für mich ein Edelstein unter den Bischöfen. Ich zähle ihn auch zu den Befreiungstheologen. Zu einem Befreiungstheologen gehört erstens dazu, dass man nicht von Dogmen, sondern vom Leben ausgeht, und zweitens dass man auf der Seite der Armen, Schwachen  und Benachteiligten steht. Beides hat Bischof Maximilian verwirklicht. 

 

Kaplan Franz Sieder war zeit seines Lebens in der Betriebs- und Arbeiterseelsorge tätig. Er lebt in Amstetten.  

 

Otto Märzinger

 

Sozial und lebensfroh  

von Otto Märzinger

 

Bischof Maximilian hatte maßgeblichen Einfluss darauf, dass in den 1990er-Jahren damit begonnen wurde, einen Kollektivvertrag für die Diözese Linz auszuhandeln, womit wir in Österreich eine Vorreiterrolle einnahmen. Er verstand die Anliegen der Dienstnehmer:innen und hatte mit seiner sozialen Einstellung keine Berührungsängste zur Gewerkschaft. Persönlich schätzte ich an ihm sein offenes und herzliches Wesen. Er mochte die Menschen, das war bei ihm offensichtlich. Bei den Begegnungen mit ihm war immer zu spüren, dass er im Hier und Jetzt wachsam da war, bei der Person, mit der er gerade sprach. Das war auch unabhängig davon, ob diese Person eine formal wichtige Position in Kirche oder Gesellschaft hatte. Und er hat die vielen Menschen, mit denen er Kontakt hatte, nicht vergessen, er hatte da ein sehr gutes Gedächtnis. Beeindruckt haben mich auch das verschmitzte Lächeln von Bischof Maximilian und sein Humor, den man in den Augen aufblitzen sah. Man merkte ihm seine Lebensfreude an. 

 

Otto Märzinger war bis Ende Jänner 2026 Zentralbetriebsratsvorsitzender der Diözese Linz.   

 

Margit Hauft

 

Menschlichkeit und Mut

von Margit Hauft

 

In erster Linie verbinde ich mit Bischof Maximilian Menschlichkeit und Mut. Er war immer ein Bischof mit den Menschen und für die Menschen und so mutig, dass er erste Schritte gemacht hat, auch wenn andere gesagt haben: Das geht nicht. Er hat mich zum Beispiel als erste Frau ins Konsistorium berufen und mich zur geschäftsführenden Vorsitzenden des Pastoralrates ernannt. „Wenn etwas nicht möglich ist, verändere es, sodass es anders möglich wird“ war sein Credo. 
Auch sein Umgang mit Menschen hat mich beeindruckt, er ist ihnen wirklich begegnet, hat sie geschätzt und ihnen etwas zugetraut, und er war immer Maximilian Aichern. Er war immer er, egal in welcher Umgebung, und er hat sich seinen Humor bewahrt trotz aller Schwierigkeiten. Man konnte sich auf ihn verlassen. Für mich war seine Art, Bischof zu sein, ein „fünftes Evangelium“, eine Froh-Botschaft getreu einem seiner zentralen Sätze: „Lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen!“

 

Margit Hauft war bis 2011 Vorsitzende der kfb Österreich und KA-Präsidentin in OÖ. 

 

Josef Schicho

 

Gerne unter Menschen

von Josef Schicho

 

Als ich in den 1980er-Jahren wieder zur Kirchenzeitung kam, hat mich Bischof Maximilian im Auto zu zahlreichen Pfarrbesuchen mitgenommen. Bei diesen Fahrten konnte ich ihn und seine Anliegen gut kennenlernen. Ich erlebte, wie gerne er unter Menschen war. 
Bischof Maximilian hat Reisen der Kirchenzeitung und des Bildungswerks nach Rom und Assisi begleitet. Bei den Gesprächen am Abend erlebten ihn die Teilnehmer:innen jenseits offizieller Termine als Mitmensch und Mitbruder.
Denn Bischof Maximilian hatte die große Fähigkeit, sich den Menschen zuzuwenden. Als Mönch und Abt standen für ihn Brüderlichkeit und die Haltung eines Vaters im Zentrum – das hat sein gesamtes Wirken geprägt. Für Vorträge und Buchbeiträge konnte ich ihm Informationen zusammentragen. Er war unermüdlich tätig, bis zuletzt: Noch eine Woche vor seinem Tod haben wir gemeinsam ein Interview gemacht, das für ein Buchprojekt gedacht ist, welches im Frühjahr erscheinen soll. 

 

Josef Schicho war 1968 bis 1979 und 1985 bis 1994 Chefredakteur der Kirchenzeitung. 

 

Aicherns 25-jähriges Bischofsjubiläum 2007 mit LH Josef Pühringer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch.
Aicherns 25-jähriges Bischofsjubiläum 2007 mit LH Josef Pühringer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch.
© Haijes
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