Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
s war schon am Ende des Begräbnisgottesdienstes im Stift St. Lambrecht am Montag dieser Woche, als der dortige Abt Alfred Eichmann etwas wenig Bekanntes über Maximilian Aichern erzählte: Dieser habe vor rund einem Jahr aus Anlass seines 70-jährigen Professjubiläums seine Gelübde als Benediktiner des Stifts erneuert. Und zu den Gelübden eines Benediktiners gehört die „stabilitas loci“: die lebenslange Bindung an den Ort und die Mönchsgemeinschaft, in die man eintritt.
Wie eng die Bindung von Maximilian Aichern an das Stift an der steirisch-kärtnerischen Grenze war, kam im Gottesdienst immer wieder zur Sprache. „Zuhause war er hier, das hat man gemerkt, wenn er da war“, sagte die steirische LH-Stellvertreterin Manuela Khom in ihren Abschiedsworten. In der Predigt von Johannes Perkmann, Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, wurde deutlich, was Maximilian Aichern in St. Lambrecht geleistet hatte: 18 Jahre lang war er zuerst als Abt-Koadjutor, dann als Abt in der Leitung des Benediktinerstifts. Neben der Sorge um die Gemeinschaft habe Aichern auch eine äußere Erneuerung bewirkt: Sie „fand in der Renovierung der Stiftskirche zum 900-Jahr-Jubiläum 1976 ihren Höhepunkt. Mit der von Abt Aichern mitinitiierten Landesausstellung ‚Gotik in der Steiermark‘ 1978 wurde das Stift weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt“, erinnerte Perkmann. Er stand dem Begräbnisgottesdienst vor, an dem zahlreiche Bischöfe und Ordensvertreter aus Österreich, Kroatien, Slowenien und Südtirol teilnahmen. Die Diözese Linz war unter anderem durch Bischof Manfred Scheuer und Mitglieder des Linzer Domkapitels vertreten. Auch die Äbte Maximilian Neulinger (Lambach) und Nikolaus Thiel (Schlierbach) waren gekommen.
Ein Abt sei nach dem heiligen Benedikt einer, der Sorge trägt für seine Mitbrüder, der mehr helfen als herrschen soll, der für das gute Maß sorgt und vor allem die Brüder liebt, sagte Abtpräses Perkmann. „Maximilian war ehrlich interessiert am Leben der Mönche, er hat die nachgehende Sorge um sie gelebt. Den Jüngeren galt es Raum zur Entfaltung zu geben, die Älteren wurden geehrt. Bewundernswert war seine Größe im Umgang mit seinen Vorgängern, Abt Wilhelm Blaindorfer und später Bischof Franz Zauner. Und er blieb immer Mönch – in seiner Einfachheit und Bescheidenheit, im guten Kontakt mit seinen Brüdern.“
In Linz hat es überrascht, als bekannt wurde, dass Altbischof Maximilian Aichern nicht im Linzer Dom, sondern in der Äbtegruft von St. Lambrecht bestattet sein wollte. Wer den Begräbnisgottesdienst verfolgt hat, den wundert das nicht. „St. Lambrecht war seine erste Berufung, seine erste Liebe“, sagte Abt Alfred Eichmann. Seine zweite Berufung habe Bischof Maximilian Aichern in Linz gefunden. Aber er sei dem Versprechen an seine benediktinische Gemeinschaft treu geblieben, dass im Stift St. Lambrecht seine Heimat ist.
Nun liegt Maximilian Aichern in der hellen gotischen Stiftskirche von St. Lambrecht begraben – an der Seite seines Vorgängers als Abt, Wilhelm Blaindorfer, den er selbst dort vor fast 50 Jahren zur letzten Ruhe geleitet hat.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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