BRIEF_KASTEN
Denn während der fleißige Häuslbauer – seltener die fleißige Häuslbauerin – verteidigt wird, bleibt eine Kleinigkeit meist unerwähnt: Eine moderne Erbschaftssteuer würde gewöhnliche Immobilien dank hoher Freibeträge gar nicht betreffen. Aber Fakten haben es bekanntlich schwer gegen gefühlte Bedrohungen.
Überhaupt genießt das Erben hierzulande einen bemerkenswerten Ruf. Es gilt als stillschweigend anerkannte Sonderform der Leistung. Wer Millionen oder gar Milliarden erbt, hat offenbar irgendetwas richtig gemacht – spätestens bei der Wahl der Eltern.
Dass es sich dabei bei näherem Hinsehen um leistungsfreien Vermögenszuwachs handelt, wird höflich übergangen, genauso wie die Tatsache, dass Vermögen in Österreich immer weniger erarbeitet und immer häufiger vererbt wird. Wer bereits viel hat, gibt viel weiter. Wer wenig hat, erbt wenig – und darf weiter an die Leistungsgesellschaft glauben.
Eine Erbschaftssteuer könnte staatliche Einnahmen für genau jene Bereiche bringen, die echte Aufstiegschancen schaffen: Bildung, Pflege, Klimaschutz, Infrastruktur.
Nur leider ist eine Erbschaftssteuer in Österreich derzeit so realistisch wie ein Steuerparadies für kleine Leute.
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