BRIEF_KASTEN
Aber: Wer sagt, dass Liebe immer glücklich macht? Jeder weiß doch, sie bringt auch Sorgen. Sie macht oft traurig und tut manchmal weh.
Vielleicht wäre uns sehr geholfen, wenn wir in unserer so glückversessenen Zeit besser verstehen würden, dass zur Liebe auch der Schmerz gehört und dass sie nur halb wäre, wenn wir sie nur in den glücklichen Momenten annehmen wollten.
Wem sein Leben immer nur Spaß gemacht hat, wer sich immer nur wohl gefühlt hat, der hat möglicherweise ziemlich blind gelebt. Echte Liebe macht nicht blind. Sie öffnet die Augen. Wer nur die glücklichen Seiten der Liebe annehmen will, verzichtet zur Hälfte auf sie, halbiert sie – und wird ihrer so umso rascher überdrüssig. Es war nur vermeintliche Liebe. Da schwingt oft diese fordernde Erwartung mit: Du bist für mein Glück verantwortlich. Und wehe, du machst mich unglücklich! Wichtiger wäre doch: Ich bin für dich da, gerade wenn du mich brauchst.
Zum vollen Glück und zur ganzen Liebe gehört dies: auch im Unglück nicht den Mut zu verlieren, im Weinen nicht den Trost, in der Angst nicht die Hoffnung, im Schmerz nicht die Geduld – und im Leiden nicht den Glauben. Das erst macht ihre Kostbarkeiten aus. Lassen wir also der Liebe, dass sie – manchmal – auch unglücklich sein darf.
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