BRIEF_KASTEN
Am Abend sitzt man bei Tisch. Jeden Tag. Man isst gut. Am Morgen das Frühstück: Alles, was Herz und Magen begehren, ist da. Tagsüber: Dann und wann in den Pool. Der ist mit an Bord. Auf einem Kreuzfahrtschiff kann man ein ziemlich regelmäßiges Leben führen.
Irgendwie leben Menschen heute wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Doch während man so ruhig und gut gegessen, geschlafen, gelesen, sich unterhalten hat, ist das Schiff weitergefahren und rundherum ist die Welt eine ganz andere geworden.
Von einem Tag auf den anderen merkt man die großen Veränderungen nicht. Auch nicht von einer Woche auf die nächste.
Wer mehr als ein halbes Jahrhundert Lebenszeit hinter sich hat, mag es kaum glauben, wie rasch sich so vieles geändert hat. Man erinnert sich an die Farbbänder in den Schreibmaschinen, hölzerne Bänke im Zug, oder als Kühe melken noch Handarbeit war. Man meinte, ein regelmäßiges Leben geführt zu haben – und währenddessen ist alles anders geworden.
Die weltweite Klimaveränderung, die Radikalisierungen in der Politik, die so unglaublich rasche Gewöhnung an die neuen Kriege: Es ist schon wieder so viel anders geworden, während man doch meinte, einen Tag wie den anderen gelebt zu haben.
Viele – zu viele? – zeigen sich unberührt: Solange das Abendessen an Bord reichlich serviert wird, sind die Passagiere zufrieden. Wohin es geht, überlassen sie den Kapitänen.
Aber es geht hier nicht um ein Schiff. Es geht um das Leben auf unserer Erde. Da sollte man das Ruder nicht den falschen Kapitänen überlassen.
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