BRIEF_KASTEN
„Hochachtungsvoll“ – diesen Ausdruck findet man am Ende eines Briefes oder einer E-Mail-Nachricht nur mehr selten. „Mit freundlichen“ oder gar „Mit herzlichen Grüßen“ noch häufiger. Aber in der modernen Kommunikation finden sich Freundlichkeit und Herzlichkeit oft nur noch als rasche Abkürzungen hingetippt: „mfg“ oder „mhg“.
„Hochachtungsvoll“ – habe ich einmal gelesen – sei aus der Mode gekommen, weil es nach „Buckeln“ klinge – nach einer Art Unterwürfigkeit, die dem demokratischen Zeitgeist nicht mehr entspreche. Begegnung, hört man in Reden und Predigten, müsse „auf Augenhöhe“ stattfinden. Klingt schön.
Doch man kann die „Augenhöhe“ hoch oder tief ansetzen. Ob in der aus dem Sprachgebrauch aussortierten Hochachtung nicht doch mehr Würde mitschwingt? Hohe Achtung vor jemandem zu haben – das hebt empor und erfordert kein Herablassen.
Vielleicht steht hinter dem allmählichen Verschwinden dieser altgedienten Grußformeln ein tieferes Problem: dass einem die Haltungen, die sie zum Ausdruck bringen sollen, schwerfallen. Hochachtung. Freundlichkeit. Herzlichkeit.
Auf wie viel Hochachtung stoße ich, wenn ich am Morgen eine Zeitung lese oder abends Nachrichten schaue? Zunehmend sind sie von den Hauptmeldungen auf die Adabei-Seiten und in die „Seitenblicke“ abgerutscht, und dort wirken sie recht künstlich.
Aber wo die Lebensbelange ausverhandelt werden, wo Leute ihren Geschäften nachgehen, wo sie diskutieren und streiten? Viel Platz wäre da frei – für Hochachtung, Freundlichkeit und Herzlichkeit.
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