BRIEF_KASTEN
Wenn sich viel angesammelt hat und wenn wieder und wieder und immer noch etwas dazugekommen ist, dann hat man es mit einem Entsorgungsproblem zu tun. Einer Sorge also.
Zeitungen, in denen man vielleicht noch einmal nachschauen würde, Glasflaschen, die man wegen ihrer schönen Form aufbewahrt hat, schöne Metalldosen, das alte Radio, das ja vielleicht noch jemand reparieren könnte – bloß dieser Jemand ist nie gekommen –, und dann erst die alten sperrigen Möbel. Vielleicht will sie ja doch noch jemand haben. Die alten Sachen haben eine Eigenschaft: Sie bleiben liegen. Einfach nur liegen. In Dachböden, Kästen und Kellern sammeln sich diese Denkmäler hinausgeschobener Entscheidungen an – für den Fall des Falles.
Als solche könnten sie doch noch einmal von Nutzen sein: als Denkmäler nämlich, und zwar in den eigenen vier Wänden. Und diese Denkmäler erzählen dann nicht über das Leben früherer Zeiten und Generationen, wie sie gelebt und gehaust haben, sondern über mich und von uns. Vielleicht lässt sich eine Lehre daraus ziehen: Warum eigentlich haben wir dies und das unbedingt einmal haben wollen – und dann doch beiseite geräumt? Was hat uns gehindert, uns ganz davon zu trennen? Da musste also doch noch etwas Gutes daran gewesen sein. Und: Warum ist das alles so viel geworden?
Vielleicht sollte man die lange Zeit des Zögerns beim Abschied von seinen Dingen eher an den Anfang der Verbindung mit ihnen verlegen: ob ich es denn wirklich brauche, und wozu und warum?
BRIEF_KASTEN
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