BRIEF_KASTEN
Solange die Sachen gut sind, trägt man sie auch. So war es einmal. Heute gilt eine solche Haltung eher als ein Notzeit-Zeichen. Womit man sich kleidet, will nicht nur gut erhalten sein, es muss der Mode entsprechen. Und längst existieren mehrere Moden gleichzeitig.
Dingen gewährt man nur selten die Chance, alt zu werden. Kaum ein technisches Gerät findet sich auf dem Markt, das jahrzehntelang hält. Halten würde es schon, aber es entspräche nicht mehr den Ansprüchen seiner Besitzer. Längst gibt es ja Besseres. Das Speichervermögen digitaler Geräte lässt ihre Vorgängermodelle rasch alt aussehen. Das Betriebssystem eines Computers erlaubt kein Update mehr. Da muss eine ganz neue Ausstattung her.
Ob nicht auch Dinge mehr Respekt verdienen würden – all die Rohstoffe aus der Erde und die Produkte im Handel, mit denen Menschen ihren Unterhalt verdient haben? Es gibt eine Sünde, die den Dingen gegenüber keine Achtung und Dankbarkeit empfindet. Doch wie seltsam: Je rascher man die Dinge neu haben will, desto schneller werden sie auch alt. Sie fallen aus der Zeit.
Aber: Es könnte die Zeit kommen, in der alt aussieht, wer sich stets nur mit Neuem sehen lässt. Auch einen alten Menschen schiebt man – hoffentlich – nicht einfach ab, wenn seine Leistung nachlässt.
Man sollte es hoffen: Vielleicht werden sich eines Tages weniger jene schämen, die sich in einem etwas abgewetzten Mantel statt nur neu und teuer aufgeputzt auf die Straße wagen. Wenn wir es nicht früh genug begreifen, dann kommt es von selbst so.
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