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„Mut und Bildung“ - Frauen in Männerdomänen

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Das Geschlecht und damit verbundene Vorurteile beeinflussen immer noch oft die berufliche Entwicklung von Frauen. Vier Frauen in Männerdomänen sprechen im Haus der Frau über ihre Erfahrungen und darüber, was sich ändern muss.
 

Ausgabe: 04/2025
21.01.2025
- Lisa-Maria Hammerl
Frauen sind in technischen Berufen nach wie vor unterrepräsentiert.
Frauen sind in technischen Berufen nach wie vor unterrepräsentiert.
© Halfpoint/Stockadobe

Berufe auszuüben, wo handwerkliches Geschick, technisches Wissen oder Körperkraft erforderlich sind, wird Frauen auch heute noch oft nicht zugetraut. Zumindest sind sie dort häufig mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert. Am 4. Februar erzählen im Haus der Frau Linz vier Frauen, die in verschiedenen männlich geprägten Bereichen arbeiten, wie es ihnen damit geht und was sich ihrer Meinung nach ändern muss.

 

Erwartungen

 

Eine davon ist Julia Dobretsberger. Sie ist staatlich geprüfte Bestatterin und Trauerrednerin bei der Bestattung Dobretsberger in Linz. Dass die Bestattungsbranche männlich dominiert ist, liege wahrscheinlich an ihren kirchlichen Ursprüngen, vermutet sie: „Die Totenfürsorge war ursprünglich als Werk der Barmherzigkeit Aufgabe der Kirche. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, mit Einführung des Bestattergewerbes in der Gewerbeordnung, übernahmen meist familiengeführte Unternehmen diese Aufgabe. Auch die Bestattung Dobretsberger wurde 1894 als kirchliche Bestattung gegründet.“ 

 

Daraus resultierend gebe es auch heute noch die Erwartung, dass ein Mann (Priester, Diakon oder Bestatter) die Trauerfeierlichkeiten begleitet. Damit war auch Julia Dobretsberger schon konfrontiert: „Ich persönlich wurde schon verwundert empfangen, wenn ich beispielsweise die Abholung eines Verstorbenen begleite oder als Trauerrednerin durch die Trauerfeier leite. Körperliche Stärke und organisatorische Kompetenz überraschen vielfach und werden weniger erwartet als die einfühlsame und herzliche Begleitung der Angehörigen.“

 

Rollenbilder reflektieren

 

Ein Thema, das nahezu jeder Frau irgendwann einmal in ihrem Leben begegnet, ist die Frage: Kind oder Karriere? Der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stehen etwa aufgrund eines oft unzureichenden Angebots an Kinderbetreuung oder althergebrachter Ansichten Hürden entgegen.

 

Dobretsberger sieht folgenden Lösungsweg: „Vereinbarkeit ist dort möglich, wo als Elternpaar Rollenbilder und Aufgaben hinterfragt, reflektiert und neu definiert werden. Andererseits gilt es das Familieneinkommen, auch im Hinblick auf die Pension (Pensionssplitting), so weit abzusichern, dass vor allem für die Frauen kein Nachteil aus einer Kinderbetreuung erwächst.“

 

Auch sollte die Bedeutung von Familie und Beruf nicht nur innerhalb der Kleinfamilie auf Augenhöhe diskutiert werden, sondern auch außerhalb. Ihrer eigenen Tochter rät sie zu „Bildung und Mut“. Damit werde sie einen Weg finden, ihre Leidenschaften und Interessen zu leben und eine Welt mitzugestalten, in der ihre Fähigkeiten zählen und nicht ihr Geschlecht.

 

Der „Confidence Gap“

 

Ebenfalls an der Diskussionsveranstaltung im Haus der Frau teilnehmen wird Martina Gaisch. Sie ist Professorin an der Fakultät für Informatik, Kommunikation und Medien der FH OÖ und stellt fest: „Leider stehen wir Frauen uns manchmal selbst im Weg, indem wir uns zu wenig zutrauen. Während Jungen oft dazu erzogen werden, mutig und risikobereit zu sein, werden Mädchen häufig auf Perfektion und Anpassung sozialisiert.“

 

Das führe mitunter zum sogenannten „Confidence Gap“ („Selbstbewusstseinslücke“), einem Phänomen, welches das Vorurteil begünstigt, Frauen seien weniger kompetent oder könnten sich in bestimmten Branchen nicht durchsetzen. 

 

Sinnhaftigkeit als Motor

 

Dazu gehört auch der MINT-Bereich (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Frauen sind dort nach wie vor unterrepräsentiert. Die „MINTality-Studie“ der FH OÖ zeige, dass Gehalt, Flexibilität und Sinnhaftigkeit für Frauen zentrale Kriterien bei der Berufswahl sind.

 

Die Informatik würde hier ideale Voraussetzungen bieten, sagt Gaisch: „Überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten, die Freiheit, ortsunabhängig zu arbeiten, und die Chance, aktiv die digitale Welt von morgen mitzugestalten.“ Für sie selbst ist Sinnhaftigkeit der Motor, der sie antreibt: „Es erfüllt mich, junge Frauen zu inspirieren, sie zu ermutigen und ihnen mögliche Ängste vor dem Scheitern zu nehmen. Vor drei Jahren habe ich deshalb in Hagenberg den Studiengang ‚Design of Digital Products‘ ins Leben gerufen, der speziell auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten ist, die bislang wenig Berührungspunkte mit Informatik hatten – häufig sind das junge Frauen. So gehe ich meinen Weg entschlossen, didaktisch und inhaltlich angepasst – eben etwas anders, aber mit Sicherheit in die richtige Richtung!“ 

 

„It’s a mens world?!“: 4. 2., 19–21 Uhr, Diskussion mit Frauen, die in verschiedenen Männerdomänen tätig sind, Haus der Frau Linz

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