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Man dürfte ruhig auch mal optimistisch sein

Gesellschaft & Soziales

Schlechte Nachrichten finden viel mehr Aufmerksamkeit als gute. So etwas ärgert Josef Nussbaumer. „Man dürfte ruhig auch mal optimistisch sein“, meint der emeritierte Wirtschafts- und Sozialhistoriker aus Innsbruck.

Ausgabe: 44/2019
29.10.2019
- Matthäus Fellinger
Josef Nussbaumer lehrte Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Innsbruck. Mit der Verein „Team Globo“ fördert er Hoffnungsprojekte (teamglobo.net).
Josef Nussbaumer lehrte Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Innsbruck. Mit der Verein „Team Globo“ fördert er Hoffnungsprojekte (teamglobo.net).
© KIZ/mf

Beim Tag der Linzer Hochschulen machte er am 23. Oktober in der Katholischen Hochschulgemeinde in Linz deutlich, warum er sich dem üblichen Pessimismus so gar nicht anschließen will. Wollen müsse man, vor allem die Politik müsse es wollen. Er ist ein Sammler von „Hoffnungstropfen“ – guten Nachrichten aus aller Welt. Zusammen mit seinem Kollegen Stefan Neuner hat er solche 2017 in ein Buch gefasst. „Auch die Donau besteht aus lauter einzelnen Wassertropfen“, meint er. Viele Hoffnungstropfen würden dem Optimismus Nahrung geben und – zum Strom gefasst – die Welt zum Guten ändern. 

 

Bildung ist der Schlüssel

Bildung senkt nachweislich das Bevölkerungswachstum, das derzeit vor allem in Afrika bedrohlich schnell vor sich geht. Wenn Frauen in Wohlstand leben können, werde die Weltbevölkerung nicht weiter ansteigen. Seriöse Wissenschaftler sähen schon heute die Anzeichen, dass die Erdbevölkerung Mitte des 21. Jahrhunderts mit dann über 9 Milliarden Menschen auf der Welt ihren Höhepunkt erreichen, in der Folge aber eher stagnieren oder gar sinken werde. Die für das Jahr 2100 vorausgesagten 12 Milliarden Menschen würden voraussichtlich nicht erreicht werden, wenn heute vor allem durch Bildung gegengesteuert werde.

Auch in der Umweltfrage sieht Nussbaumer Hoffnungszeichen. „Wir müssen die Sonne in die Hand nehmen“, sagt er und zeigt Bilder aus aller Welt von entsprechenden Versuchen. Genug erneuerbare Energie zu erzeugen, sei nicht mehr die technische Frage, sondern eine des politischen Willens. Riesige und zahlreiche Aufforstungsprojekte gebe es schon heute. Selbst große Wüstenflächen seien wieder begrünt worden. Es seien oft Einzelne, die Erstaunliches zuwege brächten.
Zu wenig ins Gewicht fielen bei Menschen Hoffnungstropfen wie diese: Dass es noch nie so wenige Kriegsopfer gegeben habe, wie dies heute  der Fall sei, und dass noch nie ein so niedriger Anteil der Weltbevölkerung Hunger litt. 10 Prozent seien es heute, vor 100 Jahren waren es 70 Prozent. 
Der Tag der Hochschulen wird von der katholischen und evangelischen Kirche ausgerichtet. „In der Hoffnung liegt Trost“,  meinte Superintendent Gerold Lehner. Es müsse nicht bleiben, wie es ist. 
Bischof Scheuer erzählte von einem besonderen Hoffnungstropfen. Bei der jüngsten Visitation im Dekanat Bad Ischl hat er es erlebt. „Wenn ich sie allein esse, kriege ich Bauchweh!“, antwortete ein Kind auf die Frage, ob Schokolade mehr oder weniger würde, wenn man sie teile.


Josef Nussbaumer, Stefan Neuner: „Hoffnungstropfen“, Studia Universitätsverlag, Innsbruck 2017, 274 Seiten, € 19,90. 

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