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Leprakranke umarmen

Gesellschaft & Soziales

China ist wirtschaftlich ein Gigant, aber in sozialen Bereichen außerhalb der Städte oft ein Zwerg. Wo Politik und Gesellschaft nicht hinschauen, werden Christen aktiv – wie bei Lepra. P. Hans Tschiggerl berichtet über den Einsatz des Jesuitenordens im kommunistischen China. 
 

Ausgabe: 8/2019
19.02.2019
- Josef Wallner
China: Trotz Reichtum und Spitzenleistungen der Technik – im Bild die Skyline von Shanghai - gibt es gleichzeitig Not und fehlenden Fortschritt, wie die primitiv gemachten Prothesen eines Leprakranken zeigen.
China: Trotz Reichtum und Spitzenleistungen der Technik – im Bild die Skyline von Shanghai - gibt es gleichzeitig Not und fehlenden Fortschritt, wie die primitiv gemachten Prothesen eines Leprakranken zeigen.
© Jesuitenmission (2)

Bei einem fehlen die Finger, bei einem anderen die Zehen, bei wieder einem anderen sieht man nur mehr Reste der Nase – als Betrachter zuckt man zusammen, wenn man die Bilder anschaut, die P. Tschiggerl von leprakranken Menschen aus China zeigt. Der Jesuit war bis Herbst 2018 für die Missionsaktivitäten der österreichischen Ordensprovinz verantwortlich. China war dabei ein Schwerpunktland. 

 

Lepra blieb unbeachtet

Eigentlich dürfte es die Krankheit Lepra gar nicht mehr geben, da sie sich gut behandeln lässt; aber wo Armut und Elend herrschen, tritt sie immer wieder auf. So auch in ländlichen Gebieten Chinas. Kaum 200 Kilometer vom modernen Peking entfernt, gibt es Gebiete, wo die Bevölkerung in Lehmhütten lebt. In dieser Region haben die Jesuiten nach der Öffnung des Landes in den 1980er-Jahren eines ihrer 19 Lepradörfer gegründet, die sie derzeit in ganz China betreiben. Inzwischen leistet auch der kommunistische Staat seinen Beitrag zur Behandlung der Leprakranken, aber das hat gedauert. 

 

Ordensfrauen als Motor der Kirche

P. Tschiggerl erzählt von einer kuriosen Arbeitsteilung, die zwischen Staat und Kirche entstanden ist. Der Staat zahlt die Ärzte, die sich nur mit Mundschutz den Leprapatientinnen und -patienten nähern, während Ordensfrauen sie pflegen, waschen, umarmen, mit ihnen essen und spielen. Die Kirche mit ihren Bischöfen und Priestern habe keine einfache Stellung im Land, die Ordensfrauen unterflögen aber das Radar der kommunistischen Regierung, beschreibt der ehemalige Missionsprokurator Tschiggerl die Situation. Missionierung ist im Land strengstens verboten, und doch wachsen die Ordensgemeinschaften der Frauen und die gesamte Kirche. Es gibt nur Schätzungen, die sind aber beeindruckend. Haben die Verfolgungszeit, beginnend mit Mao Tse-tung ab den 1950er-Jahren, bis zum ersten ideologischen Tauwetter in den 1980er-Jahren rund 1, 8 Millionen Katholiken überdauert, spricht man 30 Jahre später bereits von etwa 18 Millionen Katholiken. Insgesamt soll es in dem 1,4 Milliarden Einwohner/innen zählenden Land an die 80 bis 100 Millionen Christen geben. 

 

Vertrauen lernen

P. Tschiggerl ist vom Einsatz der Christinnen und Christen im Land beeindruckt. Sie lassen sich von Repressalien des Staates nicht unterkriegen, suchen Wege, sich mit den Regierungsstellen zu arrangieren, und sind – im Fall der Schwestern – vor allem bei den Armen. Während in China eine Bewegung der Bevölkerung vom rückständigen Landesinneren nach Osten in die reichen und modernen Küstenstädte zu beobachten ist, gehen die Schwestern den umgekehrten Weg. Und was ihm besonders auffällt: Die Christen in China leben trotz Schwierigkeiten ihren Glauben mit Zuversicht und Freude: „Ich glaube, das könnten wir uns von ihnen abschauen.“ 
 

P. Hans  Tschiggerl  hat am Welttag der Kranken bei den Elisabethinen in Linz über seine Erfahrungen in China erzählt.
P. Hans Tschiggerl hat am Welttag der Kranken bei den Elisabethinen in Linz über seine Erfahrungen in China erzählt.
© Elisabethinen
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