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Inhalt:
Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige im Jugendzentrum Plateau

„Fürs Kochen fehlt ihnen der Strom“

Gesellschaft & Soziales

Seit Beginn der Coronakrise gibt das „Team Nächstenliebe“ im Jugendzentrum Plateau in Leonding Lebensmittelpakete für bedürftige Familien aus.
 

Ausgabe: 44/2022
31.10.2022
- Paul Stütz
Bei der Spendenausgabe: Josef Hofmann (rechts) und der Spanier Juan Ignacio Etchenique Varela, der dieses Jahr freiwillig im Plateau mitarbeitet
Bei der Spendenausgabe: Josef Hofmann (rechts) und der Spanier Juan Ignacio Etchenique Varela, der dieses Jahr freiwillig im Plateau mitarbeitet
© KIZ/PS

Wieso die Hilfe immer noch notwendig ist, was Armut konkret bedeutet und wo die Politik in die Jugend investieren sollte, erzählt Josef Hofmann, Leiter des Jugendzentrums, im Interview.

 

Das Jugendzentrum Plateau hat zu Beginn der Coronakrise begonnen, Lebensmittel für Bedürftige zu sammeln. Wie ist es dazu gekommen?
 

Josef Hofmann: Ausschlaggebend war, dass wir im März 2020 so wie alle von einem auf den anderen Tag zusperren mussten. Wir haben zwar online Kontakt zu den Jugendlichen gehalten und begonnen, das Plateau zu renovieren, hatten aber dennoch Ressourcen übrig, weil der normale Zentrumsbetrieb nicht möglich war. Als wir von der Caritas die Anfrage bekommen haben, ob wir ein Basiszentrum zur Lebensmittelverteilung werden können, haben wir sozusagen die Gunst der Stunde genutzt. 


Mittlerweile ist das Jugendzentrum längst wieder im Normalbetrieb. Warum gibt es die Lebensmittelverteilung nach wie vor? 
 

Hofmann: Corona hat wie ein Katalysator gewirkt und die versteckte Armut sichtbar gemacht. Die Nöte sind mit der Normalisierung in der Pandemie aber nicht verschwunden. Wir sind hier auf dem Harter Plateau mitten in einem sozialen Brennpunkt, ganz unabhängig von der Pandemie. Es gibt von den Jugendlichen, die zu uns kommen, auch einige Eltern, die sich Pakete holen. Die Jugendlichen haben gesagt, dass wir Ehrenfrauen und Ehrenmänner sind, weil wir die Lebensmittelpakete an Bedürftige austeilen. Das hat uns gezeigt, dass das Projekt eine große Vorbildwirkung hat. Es ist dadurch eine fixe Säule bei uns geworden.


Wie wirkt sich die Armut im Leben der Jugendlichen konkret aus? 
 

Hofmann: Wir bekommen relativ häufig mit, dass sie teilweise von den Eltern zum Schwarzfahren gezwungen werden, weil die sich den Selbstbehalt zum Jugendnetzticket nicht leisten können. Aus diesem Grund, finde ich, sollten alle bis zum vollendeten 18. Lebensjahr einfach gratis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen. Das wäre eine Investition in unsere Jugend und obendrein würde man sich viel Bürokratie sparen. Ich merke aber immer wieder sehr deutlich, dass unsere Jugendlichen eine Randgruppe sind: Da gibt es kaum jemand – speziell in der Politik –, der sich für sie stark macht. 


Muss ein Nachweis der Bedürftigkeit erbracht werden, um bei Ihnen Lebensmittel beziehen zu können?
 

Hofmann: Nein, wir leisten ganz unkompliziert Erste Hilfe. Ich finde, das zeichnet uns als Kirche in der Seelsorge aus, dass wir für die Menschen da sind und unser Möglichstes tun.


Von wem kommen die Spenden?
 

Hofmann: Wir haben zum Beispiel Kooperationen mit sogenannten Foodsavern (Anm.: Lebensmittelretter/innen), die Produkte in den Märkten aufspüren, die in Ordnung sind, aber wahrscheinlich bald entsorgt werden müssten, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Die geretteten Waren kommen dann direkt zu uns. Bauern aus der Umgebung schenken uns immer wieder Lebensmittel. Pfarren und vereinzelt Privatpersonen liefern ebenfalls an uns. Und von der Caritas bekommen wir auch viele Spenden und Gutscheine vermittelt.


Reichen die Spenden immer aus?
 

Hofmann: Wir geben das her, was wir haben. Die Lebensmittelspenden sind aber auf jeden Fall sehr phasenabhängig. Zu Weihnachten wird extrem viel gespendet. Unterm Jahr ist es teilweise wenig, was zu uns kommt.

 

Von welchen Sorgen erzählen die Leute, die beim Plateau Spenden abholen?
 

Hofmann: Viele machen sich existenzielle Sorgen und wissen nicht, wie sie ihre Wohnung heizen sollen. Zu uns kommen auch Menschen, die nur Fertigdosen und keine Nudeln oder kein Mehl wollen, weil sie nicht kochen können. Der Grund: Sie haben keinen Strom in der Wohnung. Und das ist kein Einzelfall. Ohne Hilfe müssten sie hungern. Uns fällt auch auf, dass vor allem diese Menschen oft Hemmungen haben, sich Lebensmittelspenden zu holen. Ich wäre aus diesem Grund für das bedingungslose Grundeinkommen. Das wäre für den sozialen Frieden so wichtig in unserer Wohlstandsgesellschaft, dass die Menschen zumindest grundversorgt sind. 

 

 

Solidaritätspreis


Das „Team Nächstenliebe“ im Jugendzentrum Plateau in Leonding wurde mit dem Solidaritätspreis der Diözese Linz 2022 ausgezeichnet. 
Für den Solidaritätspreis 2023 kann bereits eingereicht werden unter www.solipreis.at


Kontakt zum Plateau: https://juz-plateau.webnode.at

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