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Wespen und Hornissen: Besser als ihr Ruf

LEBENS_WEISE

Wespen und Hornissen sind bei den meisten Menschen nicht gerade beliebt. In der Natur spielen sie jedoch eine wichtige Rolle und stechen eigentlich nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen.

Ausgabe: 34/2024
20.08.2024
- Lisa-Maria Hammerl
Hornissen sind friedlicher als oft vermutet.
Hornissen sind friedlicher als oft vermutet.
© Unpict/Adobe Stock

Bei den Wespen sind es besonders zwei Arten, die uns Menschen in den Sommermonaten am häufigsten begegnen: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Sie bilden große Völker von mehreren Tausend Einzeltieren und kommen auf der Suche nach Nahrung in die Nähe von Häusern und Gärten. Angelockt werden sie gemeinhin von süßen Speisen und Getränken oder Fleisch. Grundsätzlich sind sie dabei nicht aggressiv, sondern stechen nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen. Das kann etwa der Fall sein, wenn hektisch mit den Händen gewedelt oder versucht wird, die Wespe wegzupusten. Es heißt daher Ruhe bewahren. Helfen kann auch, wenn ihr der Zugang zu Speisen und Getränken durch Abdecken oder verschließen dieser verwehrt wird.

 

Für Gesunde harmlos

 

Natürlich kann es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Stich kommen. Für gesunde Menschen ist ein Wespenstich grundsätzlich harmlos, wobei eine lokale Hautreaktion (Rötung, Schwellung, Schmerzen, Juckreiz) völlig normal ist. Die Symptome sollten nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Was oft wenig bekannt ist: Das Gift von Wespen ist etwa zehnmal schwächer als das von Bienen.

 

Notfall-Set dabeihaben

 

Dennoch kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen, wenn eine Allergie vorliegt oder der Stich im Mund- oder Rachenbereich erfolgt ist. „Es ist wichtig, im Notfall rasch Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten und ärztliche Hilfe zu holen“, sagt Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Eigentumsschutz im KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Sie rät Allergiker:innen, im Sommer immer ein Notfall-Set mit Kortison-, Antihistamin-Tabletten und Adrenalin-Pen mitzuführen.  


Pro Jahr gibt es durchschnittlich fast 1.200 stationäre Behandlungen aufgrund von Insektenstichen. Leider sind Bienen, Wespen und Hornissen auch für 55 Todesfälle in den letzten zehn Jahren in Österreich verantwortlich. Grund für medizinische Notfälle sind laut KFV in der Regel allergische Reaktionen.

 

Friedliche Brummer

 

Trotz allem spielen Wespen für die Natur eine wichtige Rolle, wie der Naturschutzbund Österreich und auch die Tierombudsstelle Steiermark berichten. Sie verringern die Zahl von Schädlingen wie Mücken, Blattläusen oder Fliegen. Ein mittelgroßes Volk mit 300–400 Individuen soll im Sommer pro Tag ein halbes Kilogramm Insekten erbeuten. Wespen bestäuben außerdem im Frühjahr genauso die Blüten wie Bienen.


Hornissen sind trotz ihrer bedrohlichen Größe eher harmlos und interessieren sich nicht für Süßes. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pflanzensäften und gehen für den Nachwuchs auch auf die Jagd nach anderen Insekten – darunter Mücken, Fliegen, Raupen oder auch Wespen. Sie sind für das biologische Gleichgewicht von großer Bedeutung. Hornissen verhalten sich meist friedlich und würden niemals grundlos angreifen. Sie sind scheu und fliehen eher vor einem Konflikt. Sie verhalten sich ruhig, solange man keine heftigen Bewegungen ausführt, zu nahe an das Nest kommt oder beispielsweise ihre Flugbahn blockiert. 


Wie bei der Wespe ist ein Hornissenstich für einen gesunden Menschen kein Problem. Ihr Gift ist auch nicht stärker als das ihrer Verwandten, sondern sogar schwächer. Dennoch kann es sein, dass der Schmerz als schlimmer wahrgenommen wird, wegen des längeren Stachels der Hornisse und des im Gift enthaltenden Acetylcholins. Wie etwa bei der Wespe auch kann der Stich einer Hornisse beim Menschen in seltenen Fällen eine allergische Reaktion auslösen. Typische Symptome sind etwa Rötungen oder juckende, leicht erhabene Schwellungen („Quaddeln“), weiters können Atemnot, Herzrasen, Übelkeit oder Schwindel auftreten. In so einem Fall sollte sofort ärztliche Hilfe aufgesucht werden. 

 

Unter Schutz

 

Wespen und auch Hornissen sind in Österreich teilweise geschützt, man darf sie daher nicht einfach fangen oder ihre Nester vernichten. Erst wenn Gefahr in Verzug ist, sollte eingegriffen werden – etwa wenn Kinder oder Allergiker:innen bedroht sind. Am besten werden hier geschulte Fachkräfte oder gewerbliche Schädlingsbekämpfungsfirmen gerufen, die das Nest umsiedeln. 
 

Die Gemeine Wespe stürzt sich gern auf Süßes.
Die Gemeine Wespe stürzt sich gern auf Süßes.
© Dennisjacobsen/Adobe Stock
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