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Kinder trauern anders

LEBENS_WEISE

Sigrid Eysn von Rainbows Oberösterreich und Krankenhaus-Seelsorgerin Sr. Rita Kitzmüller erklären, wie Kinder trauern und wie man sie dabei gut begleiten kann.

Ausgabe: 43/2023
24.10.2023
- Lisa-Maria Hammerl / Andrea Mayer-Edoloeyi
Kinder brauchen klare Worte und keine abstrakten Phrasen, wenn es um den Tod geht.
Kinder brauchen klare Worte und keine abstrakten Phrasen, wenn es um den Tod geht.
© Tomsickova/Adobe Stock

Kinder erleben Tod und Trauer anders als Erwachsene. „Sie leben mehr im Hier und Jetzt, während Erwachsene eher viel im Kopf trauern“, sagt Sigrid Eysn. Sie ist Leiterin der Landesstelle von Rainbows OÖ. Die Organisation betreut Kinder und Jugendliche nach Trennungen, Scheidungen oder Tod.

 

„Sie erleben Tod und Trauer sehr realitätsbezogen und stellen oft die wirklich wichtigen Fragen“, bestätigt Sr. Rita Kitzmüller, Leiterin der Krankenhaus-Seelsorge am Ordensklinikum Linz-Elisabethinen. „Kinder haben ein feines Gespür für Situationen und Emotionen.“

 

LACHEN, DANN WEINEN

 

Wie bei Erwachsenen äußert sich die Trauer ganz individuell. „Ein Kind weint vielleicht und will auf den Arm eines Elternteils. Ein anderes scheint kaum zu realisieren, dass dort ein verstorbener Angehöriger im Bett liegt“, sagt Sr. Rita Kitzmüller. „All diese Reaktionen sind, gerade bei kleinen Kindern, normal.“

 

Die Kinder dosieren ihre Trauer im Alltag, sagt Sigrid Eysn. Sie vergleicht das mit Pfützenspringen: „Im Alltag können sie die Trauer zurückdrängen, gehen in die Schule, treffen sich mit Freunden, und so weiter. Während Erwachsene oft in einem Trauersumpf versinken, holen sich die Kinder ihre Trauer stückweise, weil sie es so gut aushalten können.“ Kindertrauer sei fast immer ambivalent, sagt Sr. Rita Kitzmüller: „Ein Kind spielt, auf einmal weint es und sucht Trost, dann lacht es wieder.“

 

STABILER ALLTAG

 

Kinder haben oft noch keine Erfahrung mit dem Thema Tod, deshalb brauchen sie Trauervorbilder, weiß Sigrid Eysn. Früher seien Kinder mehr eingebunden gewesen, waren bei Betstunde oder Nachtwache dabei, sahen den aufgebahrten Sarg in der Stube.

 

„Es hängt immer davon ab, wie man Kinder auf solche Situationen vorbereitet. Sie können wesentlich besser damit umgehen, wenn man ihnen sagt, was passiert, oder sie einbezieht“, sagt Sigrid Eysn. Kinder hätten fühlen sich leicht verantwortlich dafür, dass die Mutter so traurig ist, deshalb sollten Eltern mit ihnen über die eigenen Gefühle sprechen: „Das hilft dem Kind, zu verstehen, dass es keine Schuld hat und die Gefühle normal sind“, sagt Sr. Rita Kitzmüller. Um sich sicher zu fühlen, brauchen Kinder außerdem ein stabiles und vertrautes Umfeld und ihre Alltagsroutine, sind sich beide Expertinnen einig. „Dazu gehören auch vertraute Personen, mit denen sie sprechen können und die ihnen zuhören. Rituale, vorlesen aus einem thematisch angepassten Kinderbuch und zeichnen können ihnen helfen, ihre Gefühle auszudrücken“, sagt Sr. Rita Kitzmüller. 


Außerdem brauchen Kinder klare Antworten auf die Frage, wer sie (nach dem Tod eines Elternteils etwa) zum Fußball fährt, ihnen das Essen kocht, wer mit ihnen spielt oder sie ins Bett bringt. 

 

SPRECHEN DARÜBER

 

Kinder haben ein Recht auf die Wahrheit und ein Recht auf Trauer, ist Sr. Rita Kitzmüller überzeugt: „Es ist wichtig, dass wir mit den Kindern über den Tod sprechen. Manchmal glauben wir, sie davor schützen zu müssen, doch dies wird ihnen nicht gerecht. Wichtig sei laut den beiden Expertinnen auch eine klare Sprache anstatt abstrakter Begrifflichkeiten: besser „Opa ist verstorben“ sagen als „Opa ist eingeschlafen“. 


Kinder würden oft mehr aushalten, als wir Erwachsene glauben, doch können sie mit Tatsachen besser umgehen als mit Geheimniskrämerei. Nicht vergessen werden sollte dabei zum einen, eine alters- und kindgerechte Sprache zu verwenden, und zum anderen die Kinder nicht mit zu viel Informationen zu überfordern, sind sich Kitzmüller und Eysn einig.


Die Organisaton Rainbows bietet Webinare für Eltern und Alleinerziehende zum Thema Trauer und Tod, Termine auf www.rainbows.at

 

 

Buchtipps für Kinder zum Thema Tod und Trauer

 

Radieschen von unten

 

Radieschen von unten

 

Ist Sterben schlimm? Was passiert bei einer Beerdigung? Und wie ist das mit dem toten Körper? Was hilft bei Trauer?

 

Dieses Buch „für neugierige Kinder“ ist manchmal traurig, manchmal lustig. Es geht um schlimmes Vermissen eines verstorbenen Menschen genauso wie Witze über Skelette. Ein umfangreiches Buch mit vielen anschaulichen Erklärungen, auch in Form von Comics.


Katharina von der Gathen, Anke Kuhl, Radieschen von unten, 
Das bunte Buch über den Tod für Kinder, Klett 2023
Buch mit 160 Seiten, € 22,70, ab 8 Jahren

 

Manchmal muss man Abschied nehmen

 

Manchmal muss man Abschied nehmen

 

Was passiert, wenn Menschen sterben? Ist dann alles vorbei oder gibt es ein Leben nach dem Tod oder eine Wiedergeburt? Warum ist man so traurig?

 

Dieses Buch gibt kindgerechte Antworten. Ein Schwerpunkt ist, zu erklären, wie Menschen nicht nur hier bei uns, sondern auch in anderen Ländern und Kulturen von ihren Toten Abschied nehmen. 


Louise Spilsbury, Hanane Kai, Manchmal muss man Abschied nehmen, Alles über Tod, Trauer und Trost, Gabriel 2023
Buch mit 32 Seiten, € 12, ab 5 Jahren

 

Die besten Beerdigungen der Welt

 

Die besten Beerdigungen der Welt

 

Alles fängt in dieser Kinder-Geschichte mit einer toten Hummel an. Ester, Putte und „ich“ gründen an einem langweiligen Tag ein Beerdigungsinstitut für alle toten Tiere.

 

Eine humorvoll und leicht erzählte Geschichte über ein ernsthaftes Spiel von Kindern zu Leben und Tod. Das Buch wurde aus dem Schwedischen übersetzt und verfilmt. 


Ulf Nilsson, Eva Eriksson, Die besten Beerdigungen der 
Welt, Moritz 2023, Buch mit 40 Seiten, € 14, ab 5 Jahren

 

Sarah, Opa und die Sanduhr

 

Sarah, Opa und die Sanduhr 

 

Sarah macht sich Sorgen um ihren geliebten Opa Franz, der wegen einer schweren Erkrankung bald sterben wird. Ihr gehen viele Fragen durch den Kopf: Wo wird Opa sein, wenn er gestorben ist? Ist sein Geist oder seine Seele dann im Himmel und sein Körper im Sarg in der Erde? Sarah kommt mit ihrer Mutter darüber ins Gespräch, und gemeinsam geht die Familie den Weg des Abschieds und der Trauer.

 

Das Buch beinhaltet Erklärhilfen für Eltern und Lehrer:innen. 


Martina Christine Masser, Sarah, Opa und die Sanduhr, 
Eine Geschichte über das Leben und das Sterben, Neukirchener 2023
Buch mit 36 Seite, € 15, ab 5 Jahren

 

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