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Gebet für die Ukraine

Papst Franziskus in Ungarn

WELTKIRCHE_

Mit einem Friedensappell für die Ukraine und mit Warnungen vor einem ungebremsten digitalen Fortschritt hat Papst Franziskus am Sonntag seine Ungarn-Reise beendet.

Ausgabe: 18/2023
02.05.2023
- Gekürzt nach Ludwig Ring-Eifel
Ungarns Staatspräsidentin Katalina Novak unterhielt sich mit Papst Franziskus auf Spanisch.
Ungarns Staatspräsidentin Katalina Novak unterhielt sich mit Papst Franziskus auf Spanisch.
© HANDOUT / AFP / picturedesk.com

Vor rund 50.000 Menschen betete er nach dem Gottesdienst beim Parlament um Frieden für „das gepeinigte ukrainische Nachbarvolk und für das russische Volk“. Die Verantwortlichen rief er auf, „Frieden zu schaffen und den jungen Generationen eine Zukunft der Hoffnung und nicht des Krieges zu bieten; eine Zukunft voller Kinderbetten und nicht voller Gräber“.

 

Keine Sklaven der Technik


Bei einem Treffen mit Wissenschaftstreibenden der Katholischen Universität Budapest warnte der Papst vor Unterwerfung unter die Macht der Algorithmen und Beherrschung des Menschen durch die Technik.

 

Wenn Gewinnstreben und unersättlicher Informationsdrang dominierten, würden menschliche Bindungen zerstört. Einsamkeit und Angst beherrschten dann, gefördert durch einen „wilden Kapitalismus“, die Gesellschaft. Schon am Abend zuvor hatte Franziskus mehr als 10.000 Jugendliche ermahnt: Sie sollten nicht zu Sklaven der Sozialen Netzwerke werden, die Realität im Sog des Virtuellen vernachlässigen oder „am Handy kleben“.

 

Für Migration und Familie


Die Aufnahme von Hilfesuchenden aus anderen Ländern und von Menschen am Rand der Gesellschaft forderte Franziskus mehrere Male, und er sprach grundsätzlich über die Zukunft der EU und ihre Werte.

 

Mit Spannung war erwartet worden, wie sich Franziskus angesichts der abschottenden Migrationspolitik von Staatspräsident Viktor Orbán und seiner Konflikte mit der EU äußern würde. Das Ergebnis war eine Mischung von viel Lob und etwas Tadel. Der Papst zeigte sich begeistert von der Familienförderung in Ungarn. Auch unterstützte er Orbán gegen eine „Einheitsideologie“, zu der aus Orbáns Sicht ein Recht auf Abtreibung und eine Infragestellung von Geschlechterunterscheidungen gehören.

 

Andere Perspektive


Die Mahnungen des Papstes gegen Gender-Denken und Supranationalismus wurden in Ungarns Nachrichten Dutzende Male wiederholt. Ausländische Medien hingegen hoben die – sicher auch an die Adresse Orbáns gerichtete – Kritik des Papstes an national-populistischer Politik hervor, die den europäischen Traum bedrohte und Europa „zu ihrer Geisel“ machte. Dennoch überwog in der Wahrnehmung der ungarischen Gastgeber das Lob. Der Papst habe gezeigt, dass er ein „Verbündeter“ des in der EU oft isolierten Landes sei und dass er Ungarn liebe, sagte der ungarische Vatikan-Botschafter Eduard Habsburg am Rand des Besuchs.

 

Alt und schwungvoll


Von einer angeschlagenen Gesundheit des 86-jährigen war in Ungarn wenig zu spüren. Franziskus blühte auf, vor allem bei der Begegnung mit jungen Leuten, die er am Samstag in einer Sportarena begeisterte. Erst am letzten Tag, nach sieben statt vier ursprünglich geplanten Terminen, zeigte er Anzeichen von Überanstrengung. 

 

„Glaube aus Granit“


Der Papst aus Argentinien hat seit 2013 mehr als ein Dutzend ehemals kommunistische Länder bereist. Beim Besuch in Ungarn hat er abermals gezeigt, welche Doppel-Strategie er in Osteuropa verfolgt: Einerseits setzt er in der Auseinandersetzung mit ultraliberalen Strömungen im Westen auf den Rückhalt der Christ:innen in Osteuropa mit ihrem „Glauben aus Granit“, wie er es in Budapest unter Beifall formulierte. Andererseits will er dazu beitragen, dass Kirche, Politik und Gesellschaften in Osteuropa offener und dialogbereiter werden und ihren Halt nicht in Ideen der Vergangenheit suchen. Sie sollen „offene Türen“ werden, beschwor er die Ungarn bei der Abschlussmesse vor dem Parlament.

 

Wunsch an Hirten


Mit Nachdruck wandte er sich dabei an die Bischöfe und Priester: „Der Hirte unterdrückt die ihm anvertraute Herde nicht, er ‚raubt‘ seinen Brüdern und Schwestern, die Laien sind, nicht ihren Bereich, er übt kein rigides Regiment.“ Viel deutlicher hätte er kaum sagen können, wie er die kirchliche Wirklichkeit in Ungarn wahrnimmt und in welche Richtung er sie verändern will.

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Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.

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