Christian Landl ist Diakon und Seelsorger in den Pfarrgemeinden Schörfling, Weyregg und Steinbach am Attersee.
Der mehrstufige weltweite synodale Prozess mit dem Titel „Eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation, Mission“, 2021 von Papst Franziskus einberufen, mündet nach zwei Phasen auf Ebene der Ortskirchen und der Kontinente in eine zweiteilige Synodenversammlung in Rom. Im ersten Teil vom 4. bis 29. Oktober 2023 haben mehr als 400 Teilnehmende, darunter Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien aus aller Welt, auch aus Österreich, vier Wochen lang gemeinsam an runden Tischen beraten und diskutiert, um Weichen für kommende kirchliche Reformen zu stellen.
Erstmals in der Kirchengeschichte haben auch Nicht-Kleriker – Ordensfrauen sowie Männer und Frauen aus dem Laienstand – bei einer Bischofssynode mitreden und mitbestimmen dürfen. Erarbeitet wurde ein 40-seitiger Synodenzwischenbericht ohne konkrete Beschlüsse.
In diesem ersten Teil ging es darum, darüber abzustimmen, in welchen Bereichen man eine Veränderung wünscht. Unterschiedliche Positionen gab es vor allem bei Themen wie Homosexualität, Zölibat oder der Frage nach dem Frauen-Diakonat. Die Ergebnisse der Beratungen werden in den kommenden Monaten in den Ortskirchen vertieft. Im zweiten Teil im Oktober 2024 könnte es dann zu Reformen kommen.
Frère Alois (rechts) und der neue Taizé-Prior Frère Matthew.
Der aus Deutschland stammende Frère Alois (69) gibt nach 18 Jahren sein Amt als Leiter der international bekannten ökumenischen christlichen Taizé-Gemeinschaft ab. Nachfolger als Prior wurde am ersten Advent sein anglikanischer Mitbruder Frère Matthew (58). 2005 rückte Frère Alois an die Stelle des durch ein Messerattentat getöteten protestantischen Gründers und ersten Priors der Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger Schutz (1915–2005).
Der Wiener emeritierte Weihbischof Helmut Krätzl stirbt am 2. Mai im 92. Lebensjahr. Er war einer der letzten unmittelbaren Zeitzeugen des II. Vatikanischen Konzils.
Am 19. Juli kommt der Grazer „Armenpfarrer“ Wolfgang Pucher (84) im Kroatien-Urlaub ums Leben. Die von ihm ins Leben gerufenen „VinziWerke“ unterstützen seit den 1990er-Jahren u. a. alkoholabhängige und bettelnde Menschen.
Lea Ackermann, deutsche katholische Ordensfrau, stirbt am 31. Oktober im Alter von 86 Jahren. Ihre 1985 gegründete international tätige Organisation Solwodi hilft Frauen, die Opfer u. a. von Menschenhandel und Prostitution geworden sind.
Justin Welby, oberster Geistlicher der Kirche von England, salbt und krönt am 6. Mai König Charles III. und seine Frau Königin Camilla in der Westminster Abbey in London. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nimmt als Stellvertreter des Papstes für den Vatikan teil.
Die katholische Kirche in England ist mit dem Erzbischof von Westminster, Kardinal Vincent Nichols, vertreten. Charles III., Nachfolger von Elizabeth II. und weltliches Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche von England, erklärte in Folge, seine Aufgabe als „Beschützer des Glaubens“ (päpstlicher Ehrentitel für englische Könige) verstehe er ausdrücklich mit Blick auf alle Religionen im Königreich.
Nach zehn Jahren an der Spitze der Caritas Österreich wird Michael Landau (63) mit dem Ende seiner Amtsperiode am 31. Jänner 2024 sein Amt als Caritas-Präsident niederlegen. Der Caritas bleibt Landau jedoch weiterhin erhalten – als Präsident der Caritas Europa.
Nora Tödtling-Musenbichler (40) wird mit Februar 2024 das Amt von Landau übernehmen. Sie will die Gesellschaft in Österreich gerechter gestalten. Zur Erreichung dieses Ziels legt die designierte Caritas-Präsidentin künftig einen Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Armut von Frauen und Kindern, die von der Teuerung in Bereichen wie Wohnen, Energie und Lebensmittel besonders betroffen sind.
Auf dem Petersplatz findet am 5. Jänner die Trauerfeier für den emeritierten Papst Benedikt XVI. statt. Nach der Totenmesse wird er in der Krypta des Petersdoms beigesetzt. Der ehemalige Papst starb am Silvestertag im Alter von 95 Jahren im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan. Benedikt XVI. war von 2005 bis 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche gewesen. Kirchengeschichte schrieb er mit seinem freiwilligen Amtsverzicht im Februar 2013. Er galt als einer der einflussreichsten und umstrittensten kirchlichen Persönlichkeiten.
2023 ist ein Jahr der Wetterextreme weltweit, geprägt von Hitze und Waldbränden in Chile, Kanada, Griechenland und Hawaii, Überschwemmungen in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo, Stürmen in Griechenland, Libyen und der Türkei, Unwetter und Hochwasser u. a. in Österreich. Als neue Form des Protests für mehr Klimaschutz werden auch in Österreich die „Klimakleber“ aktiv.
Papst Franziskus verschärft am 25. März das Kirchengesetz gegen Missbrauch. Der neue Erlass regelt genau, wie im Fall von Verdachtsfällen vorzugehen und wer wann wofür zuständig ist.
Das mehrheitlich muslimische Land Aserbaidschan startet einen Militäreinsatz in der armenisch-christlichen Enklave Bergkarabach. Fast die gesamte Bevölkerung dort flieht nach Armenien. Durch die gewaltsame Vertreibung wird Bergkarabach besiegt. Die Regierung sieht sich gezwungen, den Staat zum 1. 1. 2024 rechtlich aufzulösen. Damit verschwindet auch eine uralte christliche Kulturlandschaft.
Papst Franziskus (87) veröffentlicht am 4. Oktober das Apostolische Schreiben Laudate Deum („Lobt Gott“) an alle Menschen guten Willens über die Klimakrise. Er führt damit die Enzyklika Laudato si’ fort. In Laudate Deum ruft Franziskus, der seit zehn Jahren im Amt ist (13. 3.), zu einem konsequenten Handeln in der Klimakrise auf.
Die radikal-islamistische Hamas verübt am 7. Oktober vom Gazastreifen aus einen Terrorangriff auf Israel, der den Tod tausender Menschen zur Folge hat. Israel beginnt danach mit dem Einmarsch in den Gazastreifen. Der jahrzehntelange Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern mündet in einen Krieg.
Die Weichen für die nächste Etappe im Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland sind am 11. November gestellt: Der Synodale Ausschuss verständigt sich einstimmig auf eine Satzung und Geschäftsordnung für die weitere Arbeit. Somit kann die Einrichtung eines Synodalen Rates bis März 2026 vorbereitet werden. Dort wollen Bischöfe und Laien ihre Beratungen über die Themen Macht, Rolle der Frauen, Sexualmoral und priesterliche Lebensform fortsetzen – trotz des Streits zwischen Vatikan und Deutscher Bischofskonferenz über die Autorität der Diözesanbischöfe und des im Synodalen Weg eingesetzten Beratungsgremiums Synodaler Rat.
Die Iranerin Narges Mohammadi (51) erhält den Friedensnobelpreis für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran. Mohammadi kann die Auszeichnung nicht selbst entgegennehmen, weil sie in Teheran inhaftiert ist. Stellvertretend übernehmen das vor Ort in Oslo ihre Kinder Kiana und Ali Rahmani.
Christian Landl ist Diakon und Seelsorger in den Pfarrgemeinden Schörfling, Weyregg und Steinbach am Attersee.
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