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Ganzheitliche Ökologie und vorsichtige Reformvorschläge

Weltkirche

Ein Vorschlag für verheiratete Priester unter speziellen Bedingungen, Eintreten für indigene Völker und eine ganzheitliche Ökologie – das sind die wesentlichen Ergebnisse der Amazonien-Synode, die am Wochenende in Rom zu Ende gegangen ist. 
 

Ausgabe: 44/2019
30.10.2019
- Kathpress/nie
Nicht nur im Vatikan – auch weltweit weckte die Synode die Aufmerksamkeit für Amazonien und seine Bewohner/innen.
Nicht nur im Vatikan – auch weltweit weckte die Synode die Aufmerksamkeit für Amazonien und seine Bewohner/innen.
© VINCENZO PINTO / AFP / picturedesk.com

Eine deutliche Mehrheit der Synodenväter will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass in abgelegenen Amazonasgebieten verheiratete katholische Diakone zu Priestern geweiht werden können. Eine allgemeine Aufhebung des Zölibats ist damit nicht verbunden. Im Synoden-Schlussdokument wird vorgeschlagen: „Die zuständige Autorität gemäß Lumen Gentium Kapitel 26 möge Kriterien und Voraussetzungen schaffen, um geeignete und von der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern zu weihen. Sie sollten bereits ein fruchtbares Diakonat und eine Ausbildung zum Priesteramt absolviert haben und sie sollten eine legitime und stabile Familie beibehalten können.“

 

Zehn Jahre?

Wann es – die Zustimmung des Papstes vorausgesetzt – die ersten verheirateten Priester im Amazonasgebiet geben könnte, blieb unklar. Noch gibt es keine Kriterien, zum Beispiel dafür, wie lange die Diakonatszeit sein soll. Der deutsch-brasilianische Bischof Johannes Bahlmann könnte sich vorstellen, in seiner Diözese im Amazonasgebiet in etwa zehn Jahren verheiratete Priester zu haben, wie er auf Radio Vatikan sagte.
Weiter spricht sich das Schlussdokument für Gemeindeleiterinnen aus. Die Frage einer Zulassung von Frauen zum Diakonat soll weiter erörtert werden: Man wolle mit der Kommission, die der Papst zu diesem Thema gebildet hat, Erfahrungen teilen.
Die Absätze zu verheirateten Priestern (128 Ja-, 41 Nein-Stimmen) und dem Frauendiakonat (137 Ja-, 30 Nein-Stimmen) bekamen bei der Abstimmung über das Schlussdokument zwar die meisten Gegenstimmen, hatten aber doch mehr als die notwendige Zweidrittelmehrheit. Zudem könnten die Absätze von einzelnen Bischöfen auch abgelehnt worden sein, weil sie ihnen zu schwach waren. Entscheiden muss letztlich der Papst. Die Frage des Frauendiakonats soll – nach dem widersprüchlichen Ergebnis der bisherigen Kommission – jedenfalls erneut untersucht werden.

 

Themen

In dem insgesamt 120 Artikel umfassenden Schlussdokument bekennen die Synodenväter weiters Rückhalt für die amazonischen Völker und deren Lebensweise. Es gelte, sich den Indigenen „auf Augenhöhe zu nähern, ihre Geschichte, ihre Kulturen, ihren Stil des ‚guten Lebens‘ zu respektieren“. Eine „Evangelisierung im Kolonialstil“ wird ausdrücklich verworfen. Auch die auf der Synode aufgetauchte Idee eines eigenen Amazonas-Ritus wurde ins Schlussdokument aufgenommen. 
Unter ökologischer Perspektive warb die Synode für einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kirche müsse sich mit der Ausbeutung des „gemeinsamen Hauses und seiner Bewohner“ auseinandersetzen. Auch die Verteidigung der Menschenrechte wurde als verpflichtend bezeichnet. Das Schlussdokument sprach sich für eine Beobachtungsstelle für Ökologie und Sozialfragen aus, die auch mit nichtkirchlichen Akteuren zusammenarbeiten soll.

 

Papst am Zug

Nun muss der Papst entscheiden, was zu geschehen hat. Das offizielle Papstdokument zur Synode will er noch heuer veröffentlichen. Papst Franziskus gab aber bereits die geplante Errichtung einer eigenen Sektion für Amazonien innerhalb der Entwicklungs- und Menschenrechtsbehörde des Vatikan bekannt. Unter dem Applaus der Synodenteilnehmer kündigte er an, dass demnächst alle künftigen Vatikan-Diplomaten mindestens ein Jahr in einem Missionsgebiet als Seelsorger eingesetzt würden. Eine weitere Neuerung werde die Schaffung spezieller Priesterseminare für Ureinwohner sein. 

 

Proteste

Die Synoden-Beratungen der vergangenen Wochen waren begleitet von einer Polemik sehr konservativer Katholiken gegen indigene Riten und Symbole. Für Widerspruch sorgte bereits ein „Gebet für die Schöpfung“ zum Synodenauftakt. Im Brennpunkt von Angriffen standen auch Holzfiguren schwangerer Frauen, die das Leben und die Verbindung mit der Natur symbolisieren sollten. Papst-Kritiker sahen darin Heidnisches, darunter auch Kardinal Gerhard Müller, der englisch von „idols“ (Götzenbildern) sprach. Die in einer Kirche in Vatikannähe ausgestellten Figuren wurden von Unbekannten in den Tiber geworfen. Der Papst bat diejenigen, die sich dadurch verletzt fühlten, um Verzeihung.

 

„Schöpfungsverantwortung gehört zum Christentum“: Interview mit Vatikan-Journalistin Gudrun Sailer 

 

Die Synode machte beratende Vorschläge. Papst Franziskus muss nun darauf antworten.
Die Synode machte beratende Vorschläge. Papst Franziskus muss nun darauf antworten.
© MASSIMILIANO MIGLIORATO / PA / picturedesk.com
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