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Serie: Das Vaterunser 1/4 - So vertraut und doch so fremd

Geheiligt werde dein Name

GLAUBENS_GUT

Das Vaterunser beginnt mit dem Satz, „geheiligt werde dein Name“. Doch was heißt „heiligen“?

Ausgabe: 35/2023
29.08.2023
- Beatrice von Weizsäcker
Wie heiligt man den Namen Gottes, fragt sich Beatrice  von Weizsäcker, wenn sie über das Vaterunser nachdenkt.
Wie heiligt man den Namen Gottes, fragt sich Beatrice von Weizsäcker, wenn sie über das Vaterunser nachdenkt.
© Copyright 2010 kallejipp / Photocase Addicts GmbH, all rights reserved.

Um sich dem Wort zu nähern, lohnt ein Blick ins Glaubensbekenntnis. Dort kommt der Begriff „heilig“ gleich viermal vor. Einmal als Substantiv, bei der „Gemeinschaft der Heiligen“, dreimal als Adjektiv.

 

„Empfangen durch den Heiligen Geist“, „ich glaube an den Heiligen Geist“, „… die heilige katholische Kirche“. Kein anderes Wort erscheint im Credo so oft wie dieses. Nicht Gott, nicht Vater, nicht Jesus Christus, nicht die Auferstehung, nicht das ewige Leben. Das Heilige spielt beim Glauben offensichtlich eine große Rolle. Darum fängt auch das Vaterunser damit an.

 

Großes oder kleines „H“


Und doch gibt es im Glaubensbekenntnis einen kleinen, aber feinen Unterschied. Während beim Geist das Wort großgeschrieben wird, ist es bei der katholischen Kirche kleingeschrieben. Der Geist ist der „Heilige“, unangreifbar. Die katholische Kirche hingegen bloß „die heilige“.

 

Es ist, als hätten die Verfasser geahnt, dass es mit dem Heiligen in der katholischen Kirche nicht weit her ist. Wie recht sie damit behalten sollten, war ihnen vermutlich nicht klar. Ich nenne nur ein Stichwort: die sexualisierte Gewalt. Die Kirchenaustritte legen ein beredtes Zeugnis von dem Desaster ab.

 

Kirche Gottes, nicht der Amtsträger


Viele scheinen zu vergessen, dass die Kirche für die Menschen da ist und nicht umgekehrt die Menschen für die Kirche mit ihren geweihten Amtsträgern. Die Kirche ist nicht ihnen geweiht, sondern Gott. Jesu Worte sind da ganz eindeutig: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. (Mt 16,18)

 

Er sagte nicht, auf diesen Felsen sollt ihr eure Kirche bauen. Er spricht von seiner Kirche. Nur so verdient sie den Namen „heilige katholische Kirche“. Sie gehört den Amtsträgern nicht, sie ist ihnen bloß anvertraut. Ihnen und uns allen.


Freilich sind wir fehlbar. Wir sind schwach, eitel, verführbar, berechnend und manche auch machthungrig. Gott hat die Verantwortlichen in seiner Kirche aber nicht zu Göttern gemacht. Sie sind verantwortlich für das, was geschieht.

 

Der heilige Name


Wenn es im Vaterunser heißt, geheiligt werde dein Name, bedeutet das, dass Gottes Name unantastbar ist, das Allerheiligste. Gottes Namen am Anfang des Vaterunsers zu ehren, heißt nicht nur, dass alles mit Gott beginnt, sondern auch, dass alles damit beginnt, Gott zu loben und ihn zu preisen.

 

Dass sich sein Name über die ganze Welt und über jeden Menschen wölbt. Dass Gott immer da ist. Deswegen spreche ich die Worte: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel, so auf Erden. Denn Gott ist überall, auch wenn ich ihn nicht sehe. Auch wenn ich nicht verstehe, was ich bete. Auch wenn ich Fragen über Fragen habe. Ich heilige seinen Namen. Weil er heilig ist.

 

Beatrice  von Weizsäcker, Juristin und Autorin
Beatrice von Weizsäcker, Juristin und Autorin
© privat
Vaterunser. Gebet meiner Sehnsucht. Verlag Herder 2023, 176 Seiten, € 18,60
Vaterunser. Gebet meiner Sehnsucht. Verlag Herder 2023, 176 Seiten, € 18,60
© Herder
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