Es scheint fast, als würde dem Drückenden viel mehr Beachtung geschenkt als dem Erhebenden. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/05, Leitartikel
28.01.2014
Unter Druck. Das ist das Gefühl der Moderne. Unter Zeitdruck. Im Konkurrenzdruck. Unter dem Druck der sogenannten allgemeinen öffentlichen Meinung. Es drückt so viel auf Magen und Seele. „Das war ein erhebendes Gefühl“, sagte eine Kirchenchorsängerin nach der gelungenen Aufführung. Da gab es zuvor auch den Probendruck und die Anspannung, ob es gelingen würde. Doch dann: Freude. Es wäre schlimm, wenn die Druckkräfte die bestimmenden Kräfte im Leben wären – sodass nichts mehr aufkommen kann. Die Hebekräfte gilt es zu stärken, manchmal vielleicht auch nur, sie deutlicher wahrzunehmen. Es scheint fast, als würde dem Drückenden viel mehr Beachtung geschenkt als dem Erhebenden. Da wird dann das Leben zu einem einzigen Ausweichmanöver, dass man nur ja keiner Gefahr unterliegt. Wer dem Erhebenden, überhaupt dem Guten, Aufmerksamkeit schenkt, wer selbst in Zeiten wie diesen den optimistischen Blick wagt, wird es besser haben. Solche Menschen lassen sich von ihren Zielen nicht abhalten, auch wenn die Schuhe, in denen sie dorthin unterwegs sind, gelegentlich drücken. Es war ein erhebendes Gefühl. So sollte man einmal vom Leben sagen.