Jährlich kommen an die 100.000 Jugendliche nach Taizé, zu dem ökumenischen Männerorden. Was macht die Faszination dieser Gemeinschaft aus? Eine Jugendgruppe aus Steyr-Christkindl berichtet.
Ausgabe: 2014/05, Taizé, Brandstetter
29.01.2014
- Paul Stütz
„Es war ein Schock.“ So beschreibt Kathi Rattinger, 18, ihre ersten Eindrücke von der Taizéreise letzten Sommer. Nach 14 Stunden Fahrt war Kathi aus dem Bus ausgestiegen und in der französischen Ortschaft angekommen, die berühmt ist für den Sitz des ökumenischen Männerordens Taizé. Gemeinsam mit einer Gruppe von 50 Jugendlichen aus dem Raum Steyr. Leben im Zeltlager und eher unbequeme Bänke beim Essen warten in Taizé auf die jungen Gäste. Luxus ist tatsächlich etwas anderes. Heute schwärmen Kathi und ihre Freunde jedoch von dieser Einfachheit, die Teil von dem Erlebnis Taizé ist. Und von dem ansteckenden Lächeln, das die meisten auf den Lippen haben. „Es ist furchtbar, wenn man nach Hause kommt und die Leute schauen einen an, weil man so grinst“, meint Kathi. Eine Woche lang lebten die Jugendlichen in Zelten, beteten, arbeiteten und sangen in einer internationalen Gemeinschaft von über 1000 jungen Menschen mit. Die Bibelrunden, die in Taizé im kleinen Rahmen stattfinden, ermöglichen einen Dialog über den Glauben zwischen Jugendlichen aus der ganzen Welt.
Vertrauen
„Die Ordensbrüder trauen den Jugendlichen etwas zu.“ Das ist für Jugendleiterin Katharina Brandstetter eines der Erfolgsgeheimnisse von Taizé. Das funktioniere auch bei der Organisation der Zeltstadt gut. Die Taizé-Gäste werden für die vielen kleinen Dienste wie etwa Kloputzen eingeteilt. „Man sieht wie viel kleine Arbeiten es braucht, damit alles glattläuft“, betont Jakob Ulbrich, 17, „Schon bei einer Party mit 20 Leuten geht schnell etwas kaputt. Dort läuft aber alles so friedlich und herzlich ab.“
Zauber von Taizé
Für Eva Brandstetter (17) war Taizé überhaupt so faszinierend, dass sie nun für ihre Matura eine eigene Fachbereichsarbeit darüber schreibt: „Taizé ist kein Ort wie jeder andere. Für mich ist das fast wie ein ‚Gottesbeweis‘.“ Klar ist für die meisten der Jugendgruppe aus Steyr-Christkindl, dass sie auch nächsten Sommer wieder nach Taizé reisen werden (Reisedetails siehe Kasten unten). Auch zu Hause in Steyr-Christkindl versuchen die Jugendlichen diesen Zauber aufrechtzuerhalten. Einmal im Monat findet ein Taizé-Gebet in der Kirche statt. Bis zu 70 Leute nehmen daran teil. Viel Raum für die eigenen Gedanken lassen das Schweigen und die Stille bei den Taizé-Gebeten. „Mir gefällt, dass einem keiner etwas aufzwingt“, meint Kathi. Denn bei den Taizé-Gebeten muss nicht immer alles erklärt werden.