Schifahren ist nicht nur eine sportliche Tätigkeit. Es belebt so ziemlich alle Sinne. Ein Unter Uns von Christine Grüll.
Ausgabe: 2014/06, Unter Uns, Schifahren
05.02.2014
- Christine Grüll
Am Wochenende war ich mit unserem Sohn Schi fahren. In einem Anflug von mütterlichem Größenwahn fuhren wir mit dem Sessellift bis ganz nach oben. Dort ließ er mich wissen, dass er im Schikurs zwar das Bremsen gelernt hat, aber nicht das Fahren. Verschwitzt kehrten wir mit dem Lift ins Tal zurück. Wesentlich fröhlicher verliefen die nächsten Stunden auf der flachen Übungspiste. Im Zeitlupentempo fuhren wir auf dem Förderband, genannt „Zauberteppich“, nach oben. Dabei beobachteten wir herumwuselnde Kleinkinder auf Schiern, die von ihren filmenden Eltern verfolgt wurden. Wir sahen Kinderhelm-Modelle mit Tierohren aus Plüsch und Väter, die ihre Töchter an der Leine vor sich herfahren ließen. Wir hörten tschechische Schilehrer, die im charmanten Deutsch erwachsene Anfänger kommandierten. Wir rochen die Schnitzel-Abgas-Toiletten-Schwaden und lauschten den geschmacklosen Liedern, die von der Schihütte herüberwehten. Über all dem stand die strahlende Sonne, und als sie sich neigte, beschloss unser Sohn, mit dem Sessellift bis ganz nach oben zu fahren. An diesem Tag sahen, hörten, rochen, schmeckten und fühlten wir allerhand. Am besten aber war unsere gemeinsame Freude, als wir auf Schiern ins Tal zurückgekehrt waren.