Papst Benedikt gab vor einem Jahr seinen Rücktritt bekannt. Nicht zuletzt die Verschleierungstaktik rund um Missbrauchsfälle war mit ein Grund dafür, kommentiert Hans Baumgartner.
Ausgabe: 2014/07, Kardinal Schönborn, Papst Benedikt
11.02.2014
- Hans Baumgartner
Nicht nur Kardinal Schönborn glaubte zunächst an einen nicht ganz geschmackssicheren Faschingsscherz, als ihn am Rosenmontag vergangenen Jahres die Nachricht erreichte, Papst Benedikt habe seinen Rücktritt angekündigt. Vielen ging es ähnlich: aber das Durchschalten mehrerer Fernsehkanäle machte sicher: Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar sein Amt zurücklegen. In der ihm eigenen Schlichtheit sagte er zu den in Rom versammelten Kardinälen: „Ich bin zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“
Viele, auch aus dem Kreis seiner Kritiker, zollten Benedikt für diesen Schritt Respekt und Bewunderung. Auch weil er dadurch das Papstamt von der Bürde des Durchhalten-Müssens bis zum Umfallen befreit hat. Zu diesem kirchenhistorischen Schritt dürfte aber auch die Erfahrung beigetragen haben, dass in der Kurie manchen führenden Köpfen und Hintermännern ihre eigenen Interessen und Machenschaften wichtiger waren, als den Papst bei der Leitung der Kirche loyal und professionell zu unterstützen: Kardinal Sodanos hinhaltendec, die immer noch dubiose Vatileaks-Affäre, der Widerstand gegen das „Aufräumen“ in der Vatikanbank oder die blamable Panne um den Holocaust-Leugner Williamson. Dass dann „die Kurie“ zu den heißesten Themen im Vorkonklave zählte, war kein Zufall. Dass Papst Franziskus die Herkulesaufgabe einer Kurienreform angenommen und auf mehrere Schultern verteilt hat, lässt hoffen, dass Benedikts Rücktritt doch Wirkung zeigt.