Viele betrachten das Christentum als eine „Abraumhalde“ aus taubem Gestein. Aber: Mit einem neuen Blick erscheint das Christentums nicht ausgelaugt. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/09, Leitartikel
25.02.2014
Jahrhundertelang war im mittelsächsischen Erzgebirge nach Silber und Zinn, Wolfram und Zink geschürft worden. Da ist nichts mehr drinnen, dachte man dann, und lagerte das taube Gestein auf immer größer werdenden Halden. Man findet nur, wonach man sucht – oder was man mit den verfügbaren Technologien nutzen kann. Da ist noch vieles drinnen, vermuten jetzt Forscher. Aus den Halden wollen sie Germanium und Indium, ja sogar jene „seltenen Erden“ holen, um die es zuletzt in Zentralafrika zu blutigen Konflikten gekommen ist. Viele betrachten auch das Christentum als eine „Abraumhalde“ aus taubem Gestein. Feste hat man auf der Halde des Brauchtums entsorgt, beeindruckende Zeugnisse von Menschen abgestellt in denkmalgeschützten Bibliotheken. Neue Herausforderungen lassen suchen. Manchmal braucht es den neuen Blick. Dann erscheint nicht alles ausgelaugt auf den Halden des Christentums. Gerade für die so gegenwartsverliebte heutige Zeit lassen sich Rohstoffe aus früheren Erfahrungen schöpfen. All die Traditionen, mehr noch die Menschen, die in diesem „Geist“ gelebt und gerungen haben, werden zu Bodenschätzen für das Leben im Heute.