Pause am See Gennesaret: Die Pilgernden saßen zwischen blühendem Senf und roten Anemonen und genossen die Ruhe. Auch das kann Fasten sein. Ein Unter uns von Josef Wallner
Ausgabe: 2014/10
05.03.2014
- Paul Stütz
Immer wieder einmal kommt mir in der Betriebsamkeit des Alltags die Diözesanwallfahrt nach Israel und Palästina in den Sinn. Von 15. bis 22. Februar 2014 konnte ich gemeinsam mit einer großen Schar von Pilger/innen viele heilige Stätten besichtigen und besuchen – aber nicht zu viele. Unser Wallfahrtstempo war wohltuend. Besonders gerne denke ich an den kurzen Fußweg vom Berg der Seligpreisungen an den See Gennesaret. In zehn Minuten wäre die Strecke ohne Probleme zu schaffen. Aber unsere Busgruppe hat um ein Vielfaches länger gebraucht. Denn plötzlich begannen sich einige ins sattgrüne Gras zu setzen zwischen blühendem Senf und den tiefroten Anemonen. Die übrigen folgten. Es tat einfach gut Pause zu machen, die wunderbare Landschaft zu betrachten und in sich aufzunehmen: hinter uns die Kirche der Seligpreisungen, vor uns der See Gennesaret. Jeder konnte seine Gedanken ein wenig schweifen lassen. Da wurden keine Bibelstellen gelesen und ausgelegt, keine historischen Zusammenhänge erklärt – nur da sein und genießen. So kurios das klingen mag – das hat mit Fasten zu tun: Tempo rauszunehmen, Erlebtes nachklingen zu lassen, um es wirklich aufnehmen zu können. Man muss dafür nicht an den See Gennesaret reisen, das geht zu Hause auch. Die Fastenzeit ist ein Anstoß dazu.