Verzichten für sich allein führt zu „nichts“. Fasten heißt, den Herzenswünschen wirklich eine Chance zu geben. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/10, Leitartikel, Fasten
05.03.2014
Für viele war das Fahrrad die erste große Investition im Leben. Einen langen Atem hat so ein Projekt bei damaligen Taschengeld-Größenordnungen erfordert. Um sich den Herzenswunsch erfüllen zu können, musste man anderes hintanstellen. Das war ganz klar. Eine Art Neuordnung an Wichtigkeiten galt es vorzunehmen. Da stand bei allem die Frage: Brauche ich das wirklich? Was wäre noch verzichtbar? Es ist Fastenzeit. In der „Mach dich fit“-Gesellschaft unserer Tage steht das Verzichten ganz hoch im Kurs. Je mehr Verzicht, desto besser das Fasten? Keineswegs. Denn auf das Fahrrad kommt es an. Darauf, was durch Verzichten gewonnen werden soll. Verzichten für sich allein führt zu „nichts“. Fasten heißt, den Herzenswünschen wirklich eine Chance zu geben. Es ist Konzentration auf das Wesentliche, das wirklich Bedeutsame. Fasten ist ein Lebensprojekt: dass ich dem eine Chance gebe, woran ich glaube. Für Christ/innen bedeutet es, dass sie Gott bei sich ankommen lassen. Nicht, worauf ich verzichte, sondern was ich anstrebe, darauf kommt es beim Fasten an. Ein Versuch. Ein Wagnis. Ein echtes Lebensprojekt, verknüpft mit einem Nein zu manchen, was dem großen Ja entgegensteht.