Ärzte klagen. Lebensmittelhändler auch. Die Schuldirektorin sowieso. Dieser Verwaltungskram! Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/11
11.03.2014
Alles muss fein säuberlich dokumentiert, abgelegt und lupenrein abgerechnet sein. Das nimmt mir die Zeit für meine Patienten, klagt der Arzt, der Kleinladenbesitzer opfert seinen Sonntag -für die Buchhaltung, die Schuldirektorin fühlt sich um ihren Schlaf geprellt. Transparent, nachvollziehbar und vor allem vorschriftsgemäß müssen die Dinge verwaltet sein. Ein Handschlag reicht schon lange nicht mehr für ein Geschäft. Man führt Buch, und das gleich doppelt. Sie sollen nicht Manager, sondern Glaubenszeugen sein. So erwartet es Papst Franziskus von den Bischöfen; und Priester sollen nicht bloß Verwalter sein. Doch es betrifft nicht nur die „Geistlichen“. So viele stöhnen unter dem Vorrang des Formellen, hinter dem die Inhalte verschwinden. Der Zeitaufwand für das Vorschriftsmäßige ist enorm geworden. Aber: Korrekt verwaltet ist noch lange nicht gut. Es ist wie beim Essen: Ein Kuchen wird nicht unbedingt besser, wenn er zwar nach gesetzlichen Regelwerken aus Brüssel gebacken ist, die eigentliche Rezeptur aber außer Acht blieb. So etwas schlägt auf den Appetit – beim Kuchen, bei der Arbeit, im Leben.