Wie geht es mit und in der Kirche weiter? Diese Frage wurde in Beiträgen zum ersten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus vielfach gestellt. Kommentar von Hans Baumgartner.
Ausgabe: 2014/12, Marx, Konsistorium,
19.03.2014
- Hans Baumgartner
Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx griff diese Frage kurz nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz auf. Und er meinte: Der Papst habe eine starke „abrahamitische Veranlagung“, er will mit seiner Kirche aufbrechen und weiter nach vorne gehen, aber dabei alle mitnehmen. Als Beispiel dafür nannte Marx die jüngste Versammlung der Kardinäle in Rom (Konsistorium). Dabei haben die Kardinäle erstmals offen und durchaus kontrovers in Anwesenheit des Papstes über Familienseelsorge diskutiert (siehe Interview). Auch wenn dabei formulierte Positionen zunächst als unvereinbar erschienen seien, hatten doch alle den Eindruck, dass der Papst diese Debatte wünschte, betonte Marx. Der Münchner Kardinal leitet davon ein neues Bild von Kirche ab: Der Papst will drängende Fragen lösen, er will das aber in Gemeinschaft mit den Kardinälen und Bischöfen tun. Das bedeutet, diese müssen die ihnen zugetraute Verantwortung auch wahrnehmen und dabei auf die Leute in ihren Diözesen hinhorchen. Marx ist überzeugt: Es muss nicht alles in Rom geregelt werden (Dezentralisierung), aber in einer globalen Kirche brauchen wir auch ein starkes Rom. „Dann können wir vieles wagen.“ Eine Stärke aus gelebter Einheit fällt aber nicht vom Himmel und kann nicht von oben verordnet werden. Um sie muss gerungen werden, um in gesamtkirchlich wichtigen Fragen (Zölibat, Wiederverheiratete …) auch möglichst viele mitzunehmen.