Wagt man es, herauszutreten aus der Rolle des Zuschauers, aus der Reihe der Gutinformierten, der bloßen „Fans“, um zum Mitträger zu werden? Leitartikel von Mathhäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/12
19.03.2014
- Matthäus Fellinger
Einschaltziffern, Zuschauerzahlen, Facebook-Freunde. Die Art und Weise, in der Menschen aneinander Anteil nehmen, ist oft recht dünn – sie geschieht aus der Zuschauer-Rolle. Viele Zuschauer zu haben, Fans, das zählt. Man sollte ja wissen, was los ist. So neu ist die Sache nicht. Als Jesus den Kreuzweg ging, war der Weg auch gesäumt von Menschen. Sie wollten wissen, was los ist. Augenzeugen, Zeitzeugen sogar. „Fans“ waren sie wohl nicht. Gestern vielleicht noch, aber nicht jetzt, wo das Urteil feststand. Doch einer ließ sich verwandeln: Vom Zuschauer zum Mitträger. Simon von Cyrene, von dem es heißt, er hätte Jesus geholfen, das Kreuz zu tragen. In Simon wird der Anspruch des Christseins deutlich: Wagt man es, herauszutreten aus der Rolle des Zuschauers, aus der Reihe der Gutinformierten, der bloßen „Fans“, um zum Mitträger zu werden? Glaube ist nicht die Fähigkeit, mitdiskutieren zu können in Sachen Religion. Immer dabei gewesen zu sein, genügt noch lange nicht. Ob einer bereit ist, Mitträger zu werden. Darauf kommt es an. Nicht: Was hast du gewusst?, sondern: Was hast du getan? Das ist die Frage, an der alles gemessen wird.