Schönheit kommt von innen, heißt es. Aber oft ist es nicht so leicht, den eigenen Körper und die Seele zum Leuchten zu bringen, seufzt Christine Grüll im Unter uns.
Ausgabe: 2014/12
19.03.2014
- Christine Grüll
Die Haare sind zerzaust. Flecken vom Mittagessen ziehen sich von den Mundwinkeln bis über das Leiberl. Von Strumpfhose und Schuhen rieselt der Sand: Die Stunden im Kindergarten haben ihre Spuren auf unserer Tochter hinterlassen. Trotzdem ist sie überzeugt davon, dass ihre äußere Erscheinung alle anderen nur entzücken kann. Denn als ich ihr auf der Straße sage, dass sie auf den Straßenverkehr achten soll, nickt sie abgeklärt und sagt: „Ich bin zu schön, um zu sterben.“ Wir Frauen tun uns manchmal schwer, Komplimente anzunehmen. Ein: „Guat schaust aus“, wird dann wortreich abgewehrt, weil die Haare angeblich störrisch sind und eine schlaflose Nacht sich doch in den Augenringen zeigen müsse! Ich nehme mir vor, mein Äußeres nicht mehr abfällig zu kommentieren. Ein morgendliches: „Na, wie schau' ICH denn wieder aus!“, vor dem Badezimmerspiegel wird ersetzt durch ein: „Gar nicht übel.“ Auch wenn die Wimperntusche in den Lachfalten verrinnt und der Pullover voller Katzenhaare ist, weil der Kater im Wäschekorb übernachtet hat. Schönheit kommt von innen. Jetzt kommt es nur mehr auf den barmherzigen Blick der anderen auf mich an!