Die NSA baut Maschinen, um einen Vorsprung zu haben vor Konkurrenz und feindlichen Mächten. Für den immerwährenden Vorsprung. Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger.
Ausgabe: 2014/13
26.03.2014
- Matthäus Fellinger
Gott sieht alles! Mit dem Unterton einer ratlos gewordenen Erziehung hat dieser Satz eher einen bedrohlichen Klang. Gibt es das überhaupt – bei so vielen Menschen, dass ihm so gar nichts entgeht? Doch das gehörte zum „vergifteten“ Gottesbild, das Gott als den Aufdeckergott zeichnet. Es verdunkelt Gott, der uns als die „reine Liebe“ begegnet – und das bedeutet unbedingte Achtung, nicht Entlarvung des Persönlichen. Da hört und liest man, dass der US-Geheimdienst NSA alle Telefonate, die in einem ganzen Land geführt werden, speichert und „nachhören“ kann. Wenn heute schon ganze Länder, dann irgendwann die ganze Welt. Sie sagen, sie täten es aus Sicherheitsgründen, um Menschen zu schützen. Sie bauen Maschinen, um einen Vorsprung zu haben vor Konkurrenz und feindlichen Mächten. Und wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, werde von den Daten profitieren. Sie sind also dabei, so etwas wie eine Gottesmaschine zu konstruieren, die alles weiß – für den immerwährenden Vorsprung. Aber auch gar nichts soll man vor ihr verstecken können. Sie hat kein Herz, und ihr Motor ist nicht Liebe, sondern das Misstrauen – und der Wille zur Macht. Gott gebührt Ehrfurcht, dieser Maschine die Angst.