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„Alles Nazis, es sieht mies aus“

Simon Rögner rappt den Leuten ins Gewissen und tritt nicht nur auf der Bühne gegen Rechts­extremismus auf. Dafür fetzt sich der 16-Jährige schon mal verbal mit seinen Schulkollegen über Politik.
Ausgabe: 2014/18, Rögner, Rap
29.04.2014
- Paul Stütz
Hart, direkt und ohne Umschweife. Für Simon Rögner ist Rap das ideale Medium, seine Botschaften anzubringen. „In meinen Songs geht es um alles, was mir im Leben unterkommt“, erzählt er. Österreichs Umgang mit der NS-Vergangenheit beschäftigt den 16-Jährigen aus Niederneukirchen besonders: „Alles Nazis, es sieht mies aus“, rappt er zum Beispiel in einem Song (Textauszug siehe ganz unten).
Jeder konnte das hören, der zu ­einer Gedenkveranstaltung in St. Georgen an der Gusen Mitte A­pril für NS-Opfer Johann Gruber gekommen ist. „Für die Leute war das ungewohnt, aber ich glaube, dass es gut angekommen ist.“
Mit 13 hat Simon zu rappen begonnen, viel gelernt hat er durch das Imitieren der Stars: „Alles von Eminem bis Deutsch-Rap“, sagt Simon, der die Kindergartenschule in Linz besucht. Für die Kombi Kindergärtner und Rapper gibt es übrigens ein berühmtes Vorbild: den deutschen Rapper Sido.

Mutter half Flüchtlingen


Sensibilisiert für Österreichs Umgang mit Ausländern wurde Simon schon von klein auf. In seine Volksschule in Niederneukirchen gingen viele Migrantenkinder, die meisten tschetschenische Flüchtlinge. Für ihn kein Problem, meint er: „Die Hauptbevölkerung im Ort war aber eher negativ eingestellt.“ Seine Mutter setzte sich im Ort sehr für mehr Toleranz gegenüber den Asylanten ein. Sie vermittelte in Konflikten, organisiert Veranstaltungen, sammelte Spielsachen für die Flüchtlingskinder.
„Ich habe eine starke politische Meinung“, sagt Simon über sich. Und so rappt er den Leuten ins Gewissen oder streitet mit seinen Klassenkollegen über Politik. „Mich ärgert, wenn die Leute nicht durchschauen, wie rechts die FPÖ ist.“ Bei der EU-Wahl am 25. Mai darf Simon zum ersten Mal wählen. „Wen, weiß ich noch nicht.“ Automatisch so zu wählen wie die Eltern, kommt nicht in Frage, betont Simon: „Wenn man das macht, verändert sich gar nichts, geht überhaupt nichts weiter.“

Gedenk-Rap


„Ich hab gesagt, nie mehr, doch schaut euch mal mein Umfeld an.
Alles Nazis, es sieht mies aus,
denn ein paar Glatzen prügeln Ali und der Ali prügelt dann den Markus und zum Schluss ist der
Markus dann ein Lache-Anhänger, ein halber Penner und er schreit: H.C. Lache. (...)
Es ist immer noch ein Thema,
euer Leben wird bequemer,
doch etwas bleibt aus der Vergangenheit und sie reicht so weit, sie reicht bis jetzt.
Ja, ja, damals, war keiner dabei und die Arbeit,
die macht frei, alles ist doch gar nicht so schlimm gewesen, erzählt der Nazi dort am Tresen.“

Aus einem Rap von Simon Rögner, präsentiert bei einer Veranstaltung für NS-Opfer „Papa Gruber“ in St. Georgen an der Gusen.

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