Ausgabe: 2005/16, Habemus Christum, Papst, Benedikt XVI.
21.04.2005
- Matthäus Fellinger
Habemus Papam. Das ist die Neuigkeit der Woche. Die wichtigste Nachricht sozusagen. Es gibt eine noch wichtigere. Habemus Christum – wir haben Christus. Davon ist in jeder Ausgabe der Kirchenzeitung die Rede. Und der neue Papst Benedikt XVI. versteht sich als „einfacher Arbeiter“, der im Dienst Christi steht. Er wird Sorge tragen, dass dieses „Habemus Christum“ nicht verloren geht. Er ist – so hat er in einem Interview gemeint – kein Freund des „kleinsten gemeinsamen Nenners“ unter den Religionen. Er geht vielmehr auf das Ganze, er will die Fülle des Glaubens zur Sprache bringen.
Als Hardliner und Glaubenswächter wurde er unmittelbar nach der Wahl von Kommentatoren bezeichnet. Sie übersehen, dass sein bisheriger Lebensweg, je nach Aufgabe, sehr flexibel war – vom kritischen jungen Konzilstheologen bis zum großen Bewahrer als Präfekt der Glaubenskongregation. Werte verteidigen und dabei dem Menschen gerecht werden – so hat er seine Rolle beschrieben.
Die Kardinäle haben es dem zuletzt als „Verteidiger“ eingesetzten Joseph Ratzinger zugetraut, dass er das „Gesamtteam“ Kirche leiten soll. Der Überraschungspapst könnte nun erneut überraschen. Gerade in einer Zeit, in der Werte schnell auf dem Altar des Fortschritts geopfert werden, könnte seine Erfahrung von Nutzen sein. Bewahrung ist nicht nur im Bezug auf die Natur ein hoher Wert, sondern noch mehr im Blick darauf, was beim Menschen selbst auf dem Spiel steht – und dass Christus nicht verloren geht.