BRIEF_KASTEN
„Wusstest du, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?“, heißt es in einem Instagram-Posting der ÖVP. Nachsatz: „Integration ist kein Angebot, sondern Pflicht.“
Mehr als zwei Drittel der Menschen haben kaum Kontakt, geschweige denn leben sie mit Muslimen zusammen. Würden unsere Zeitgenossen mit Muslimen zusammenleben, kämen sie zu einer ganz anderen Meinung: Ja, diese Menschen sind anders, haben eine andere Kultur, andere Religion, die sie viel ehrlicher leben als unsere sogenannten Christen. Wir können von ihrer Herzlichkeit, von ihrer Dankbarkeit, von ihrem festen Willen, das eigene Leben zu schaffen, durchaus etwas lernen. Angst haben wir davor, und schwierig empfinden wir das, was wir nicht kennen!
Es ist nicht nur die Pflicht der Zugewanderten, sich zu integrieren, es ist auch unsere Pflicht, auf diese verunsicherten Menschen zuzugehen. Denn wir sind die Privilegierten, wir sind die Stärkeren. Integration ist keine Einbahnstraße! Ist sie es doch, wenn wir also nur diese Migranten zur Integration verpflichten, wird Integration nie gelingen.
Franz Gebetsberger, Vöcklamarkt
Als ehemaliger Deutschlehrer und Menschenrechtspreisträger Land OÖ, der sich seit Jahrzehnten mit „Integrationswilligen“ beschäftigt, möchte ich festhalten, dass für eine Staatsbürgerschaft die Anhebung des Sprachniveaus von B1 auf B2 für viele eine unüberwindbare Hürde ist und keine Verbesserung der Integration bringt. In manchen Fällen sogar das Gegenteil.
Deutsch zu erlernen ist wichtig. Besonders das Sprechen und Verstehen. Aber ich kenne nicht wenige Bürger aus Drittstaaten und Österreicher, die Schwierigkeiten mit unserer Rechtschreibung und bei Lesetests haben. B2 ist für viele ausgezeichnete Handwerker und Handwerkerinnen, Arbeiter und Arbeiterinnen aus Drittstaaten eine Hürde, die sie nicht schaffen. B1 schon. Wir brauchen aber diese Leute, die arbeiten wollen. Ich machte vor Jahren einen Versuch und gab 25 Österreichern (bei einem Elternabend) einen Lesetest auf Niveau B1. Der Großteil schaffte ihn nicht. Wenn Leute aus Drittstaaten bei uns fleißig arbeiten, B2 nicht schaffen, werden sie frustriert und eine Integration kann somit oft nicht stattfinden.
Robert Zinterhof, Pabneukirchen
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