Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Die Zahlen sind ernüchternd: Besuchten im Jahr 2019 – im Jahr vor Corona – in der Diözese Linz durchschnittlich 108.000 Katholik:innen den Sonntagsgottesdienst, waren es 2024 (die aktuellste Zahl) 76.000 Personen. Wenn auch die Zählkurve schon seit Jahrzehnten nach unten weist, ging es, offensichtlich ausgelöst durch die Pandemie, nochmals deutlich rascher bergab. Ausreißer sind lediglich Feste. So haben in Oberösterreich an den Weihnachtsfeiertagen vom 24. bis 26. Dezember 2024 rund 263.000 Menschen einen Gottesdienst mitgefeiert.
Angesichts der kontinuierlichen Abnahme der Gottesdienstbesucher:innen auf den Jahresdurchschnitt hin gesehen liegt es natürlich nahe, nach den Gründen dieses Trends zu suchen. Die beiden Liturgiewissenschafter Florian Wegscheider von der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (PH) und P. Ewald Volgger OT von der Katholischen Universität der Diözese Linz (KU) führen daher mit Alfred Weinberger, Werteforscher an der PH, für das Gebiet der Diözese Linz eine groß angelegte Erhebung durch.
„Wir wollen erfragen, welche Erwartungen und Erfahrungen Menschen mit einem Gottesdienst verbinden, warum sie hingehen oder warum sie nicht hingehen“, erklärt Florian Wegscheider das Ziel der Studie. Es geht in einem ersten Schritt um eine möglichst breite Erhebung dessen, welche Bedeutung ein Gottesdienst hat, was ihn anziehend und qualitätsvoll macht. Ebenso interessant sind die Gründe, warum Menschen keinen Gottesdienst besuchen oder nur äußerst selten.
Das Konsistorium, das Beratungsgremium des Bischofs, ist von der Befragung informiert und hat der Durchführung zugestimmt, es ist aber kein Instrument der Kontrolle, betont Wegscheider: Man kann die Antworten weder einer Region noch einer Pfarre und schon gar nicht einer einzelnen Person zuordnen. Umfragen zu Glaubens-, Sinn- und Wertvorstellungen der Österreicher:innen werden seit Jahrzehnten durchgeführt.
Zuletzt ist die jüngste Erhebung der Wiener Pastoraltheologin Regina Polak gemeinsam mit dem ORF zur Frage „Was glaubt Österreich?“ auf großes Echo gestoßen.
Wegscheider und Volgger legen aber mit ihrer wissenschaftlichen Studie den Fokus ausschließlich auf den Gottesdienst, da dieser inzwischen für viele Menschen der einzige Bezugspunkt zur Kirche geworden ist: von der Sonntagsmesse über den Gottesdienst zu Weihnachten und Ostern bis zur Mitfeier einer Taufe oder einer Totenwache. Es wird das gesamte Spektrum des Gottesdienstes abgefragt: Was motiviert, am Gottesdienst teilzunehmen?, lautet eine Frage. Und weiters will man wissen, welche Aspekte bei einem Gottesdienst wichtig sind. Hier geht es um die Musik, die Atmosphäre, die Gemeinschaft, Sprache und Verständlichkeit, die Predigt, die Dauer oder die Persönlichkeit des Leiters. Auch die persönlichen Formen der Frömmigkeit sind ein Thema, das für die Studie von Interesse ist.
Selbstverständlich wird auch nach den Gründen für die Mitfeier von Gottesdiensten in Radio, Fernsehen oder im Internet gefragt. Denn hier sprechen die Zahlen – nicht erst seit Corona – eine deutliche Sprache. Bei den Übertragungen der Sonntagsmesse via ORF-Radios um 10 Uhr feiern im Schnitt rund 600.000 Menschen österreichweit mit. Bei den Übertragungen jeden Sonntag auf Servus TV (08:55 Uhr) und ORF III (10 Uhr) sind jeweils rund 100.000 Menschen österreichweit als Mitfeiernde dabei. Mit leichten Verschiebungen vom Radio hin zum Fernsehen bleibt die Gesamtzahl seit Jahren in etwa gleich. Um die Bedeutung der Fernseh- und Radiogottesdienste für die Gottesdienste einordnen zu können: Österreichweit gehen an einem Sonntag rund 335.000 Menschen zur Kirche (Stand von 2023).
Die Studienautoren möchten auch der Frage nachgehen, wie weit die vom Zweiten Vatikanischen Konzil geforderte „bewusste und tätige Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst“ nach sechs Jahrzehnten Wirklichkeit geworden ist.
Das Ziel der Befragung ist einmal eine fundierte Datenbasis zu bekommen, die hilft, die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Gottesdienste besser verstehen zu können. Die Antworten sollen auch Impulse für die kirchliche Praxis liefern – etwa im Bereich der Kirchenmusik, bei liturgischen Fortbildungen und für wissenschaftliche Analysen.
Bis Ende August 2025 werden die Daten gesammelt und in den folgenden Monaten ausgewertet, sodass Anfang 2027 erste Ergebnisse vorliegen.
Die Studienautoren bitten, dass sich die Leser:innen der Kirchenzeitung an der Erhebung beteiligen. Sie nimmt ungefähr fünfzehn Minuten in Anspruch. Mitmachen kann man unter folgendem Link: t1p.de/o7sko

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