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Schlafstörungen gehören laut Website der Österreichischen Apothekerkammer zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt. Eine große Online-Umfrage der MedUni Wien lasse sogar darauf schließen, dass die Anzahl von Menschen mit Schlafproblemen in Österreich in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Zwar sind viele davon nur vorübergehend und daher nicht besorgniserregend, doch ab einem gewissen Punkt werden sie zum Problem.
„Wenn jemand mindestens drei Nächte pro Woche über einen Monat hinweg nicht ein- oder durchschlafen kann und tagsüber unter ständiger Erschöpfung oder Konzentrationsproblemen leidet, liegt eine komplexere Schlafstörung vor“, sagt Solveig Haw, Gesundheitsexpertin und Ärztin der DKV (Deutsche Krankenversicherung).
Manchen Schätzungen zufolge leiden bis zu 15 Prozent der Bevölkerung unter schlechtem Schlaf. Die Ursachen können unterschiedlich sein, wie etwa äußere Faktoren wie Lärm, unregelmäßige Schlafzeiten oder zu viel Bildschirmarbeit am Abend. Auch Stress im Alltag, berufliche Überlastung oder gesundheitliche Probleme – wie chronische Schmerzen oder hormonelle Störungen – zählen laut Haw zu den häufigsten Auslösern von Schlafstörungen. Negativ wirken sich zudem das Trinken von Alkohol oder koffeinhaltigen Getränken sowie das Rauchen kurz vor dem Schlafengehen aus.
Was folgt, sind oft Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und eine latente Gereiztheit im Alltag – die Gesundheitsexpertin warnt jedoch auch vor den langfristigen Konsequenzen: „Langfristig erhöht Schlafmangel das Risiko für ernsthafte gesundheitliche Probleme, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen.“ Haw und auch die Expert:innen der Österreichischen Apothekerkammer appellieren daher, Schlafprobleme ernst zu nehmen.
Die gute Nachricht ist, dass bereits einfache Veränderungen im Alltag in vielen Fällen die Schlafqualität deutlich verbessern können.
Nachfolgend seien einige Tipps von Gesundheitsexpertin Solveig Haw sowie der Österreichischen Apothekerkammer aufgezählt:
Regelmäßige Schlafenszeiten zur Stabilisierung des natürlichen Rhythmus des Körpers
Abendrituale, z. B. Lesen oder leichte körperliche Übungen
Entspannungstechniken, z. B. Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen
Schlaffördernde Umgebung: absolute Dunkelheit, Ruhe, kühlere Raumtemperatur (Schlafzimmer immer gut lüften, Raumtemperatur sollte 18 Grad Celsius nicht überschreiten)
Verzicht auf späte, zu scharfe oder reichhaltige Mahlzeiten
Verzicht auf Nikotin, Koffein, Alkohol oder Drogen. Auch Medikamente können Schlafstörungen verursachen
Entfernen elektronischer Geräte aus dem Schlafzimmer
Zwei Stunden (mindestens) vor dem Schlafengehen auf Handy/Laptop verzichten, keinen Sport mehr treiben
Mittagsschlaf auf maximal 15–30 Minuten reduzieren
Zur Not natürliche Schlafmittel verwenden, bewährt haben sich pflanzliche Arzneimittel mit Baldrian, Passionsblume, Melisse, Johanniskraut, Lavendel und Hopfen
Wenn es nicht klappt mit dem Einschlafen: Besser wieder aufstehen und einer ruhigen Tätigkeit nachgehen, bis man sich richtig müde fühlt
Zeigen die oben beschriebenen Empfehlungen nicht die erwünschte Wirkung und die Schlafprobleme bestehen weiterhin, kann es ratsam sein, sich ärztliche Hilfe zu suchen. Für eine genaue Diagnose kann das Führen eines Schlaftagebuchs oder ein Besuch im Schlaflabor hilfreich sein. In Letzterem werden bei einem stationären Aufenthalt während des nächtlichen Schlafes verschiedenen Funktionen des Körpers erfasst und im Anschluss ausgewertet. Im Fachjargon heißt das Verfahren „Polysomnographie“, kurz PSG. Sie kann Informationen zu Einschlafdauer, Unterbrechungen des Schlafes, krankhaften Veränderungen und den Schlaf beeinträchtigende Ursachen liefern.
Zu den häufigsten Formen von Schlafstörungen gehören Insomnie (Schlaflosigkeit), schlafbezogene Atmungsstörungen (Schlafapnoe, kurzzeitige Atemaussetzer – lautes und unregelmäßiges Schnarchen ist häufig eine erste Vorstufe davon), das Restless-Legs-Syndrom (das Verspüren eines starken Drangs, die Beine zu bewegen; auch die Arme oder andere Körperteile können betroffen sein), ein unterbrochener Schlafverlauf (sodass die Schlafphasen nicht normal durchlaufen werden können), Hypersomnien (Tagesschläfrigkeit) und Parasomnien (wörtl. „im Schlaf auftretend“, es kommt zu Auffälligkeiten während des Schlafens, z. B. Albträume, Schlafwandeln, Aufsitzen oder Sprechen im Schlaf).
Anhand einer Untersuchung kann der Arzt oder die Ärztin mögliche organische oder psychische Ursachen aufdecken.
„Die Behandlung reicht von Verhaltenstherapie bis hin zu spezifischen medizinischen Maßnahmen wie zum Beispiel einer Atemmaske bei Schlafapnoe“, erklärt Gesundheitsexpertin Haw. Sie betont, dass individuelle Lösungen entscheidend sind, um die Lebensqualität von Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Höchste Vorsicht sei laut Apothekerkammer geboten, wenn man ohne Rücksprache mit einem Arzt zu Schlaftabletten greifen sollte. Sie würden zwar kurzfristig für ruhige Nächte sorgen, jedoch das zugrunde liegende Problem nicht lösen und zudem ein hohes Abhängigkeitsrisiko bergen.
Übrigens: Wie viel Schlaf jeder Mensch benötigt, ist individuell unterschiedlich und richtet sich auch nach dem Alter. Für Erwachsene wird meist eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden empfohlen.
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