Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Zu einer kirchlichen Trauung gehört verpflichtend ein Ehevorbereitungskurs. Warum?
Paul Neunhäuserer: Weil die Kirche ernst nehmen möchte, dass die Menschen mit einer Trauung einen wesentlichen Schritt in ihrem Leben setzen. Sie möchte die Brautpaare dabei begleiten. Konkret hat die österreichische Bischofskonferenz das so geregelt: Seit 2011 ist – mindestens – ein Tageskurs zur Ehevorbereitung vorgesehen, davor genügte ein Drei-Stunden-Kurs.
Was erwartet die Brautpaare bei einem Tageskurs?
Neunhäuserer: Die Inhalte sind von der Bischofskonferenz vorgegeben. Es sind Themen, die im Zusammenleben für die Paare wichtig sind. Ich greife einfach zwei Beispiele heraus. Am Kursbeginn stellen sich die Paare vor, und zwar so, dass sich Männer hinter ihre Partnerinnen stellen und in der Runde sagen, was sie an ihrer Partnerin schätzen. Die Brautpaare sagen in der Kirche, vor Gott und der Öffentlichkeit Ja zueinander. In der kleinen Gruppe des Kurses sprechen sie aus, was sie am anderen schätzen. Das wird für viele zu einer sehr intensiven, positiven Erfahrung. Manchmal ist dieser Einstieg der emotionalste Moment des ganzes Kurses. Wir üben auch das Partnergespräch ein. Interessant ist, dass vor Kurzem ein Paar zu mir in die Beratung gekommen ist – ich arbeite auch in der Ehe- und Familienberatung –, das vor fünf Jahren den Ehevorbereitungskurs mitgemacht hat. Die beiden wollten das Partnergespräch auffrischen. Diese Form des Miteinander-Redens haben sie als sehr hilfreich erlebt.
Dass die Ehe als Sakrament beim Kurs zur Sprache kommt, ist wohl selbstverständlich.
Neunhäuserer: Natürlich reden wir über das Sakrament der Ehe und auch darüber, wie der Glaube in einer Partnerschaft einen Platz findet und gelebt werden kann. Weitere Themen sind die Herkunftsfamilie, Erotik und Sexualität, verantwortete Elternschaft und das Eherecht. Das möchte ich besonders hervorheben. Die rechtlichen Aspekte von Ehe, vor allem das staatliche Eherecht, stoßen auf großes Interesse. Wenn man standesamtlich heiratet, gibt es nirgendwo Informationen dazu. Das wird einfach vorausgesetzt. Hier leistet die Kirche einen wichtigen Dienst für die gesamte Gesellschaft.
Zurück zur Tatsache, dass die Kurse verpflichtend sind: Wie wird sie aufgenommen?
Neunhäuserer: Es wird sicher Paare geben, die den Tag absitzen. Aber wir laden sie ein, sich auf das Angebot einzulassen und die Gelegenheit zu nutzen: sich vom Buffet der Themen und Methoden, die wir vorbereitet haben, zu bedienen. Von den Rückmeldungen der Priester und Diakone, die mit den Paaren dann die Trauung feiern, wissen wir, dass die Inhalte der Kurse aber grundsätzlich gut ankommen. Das freut uns natürlich.
Sie sind der Referent für die Ehevorbereitung in der Diözese, machen die Kurse aber nicht allein.
Neunhäuserer: Wir sind ein Team von 39 Referentinnen und Referenten, die eine intensive Ausbildung über sieben Einheiten, die jeweils zwei Tage umfassten, absolviert haben. Und dazu kommt ein Sekretariat, ohne das es nicht gehen würde. Denn – ich schaue auf das Jahr 2026 – es stehen 145 Tageskurse am Programm. Dazu kommen noch fünf Online-Kurse und weitere besondere Angebote wie ein Outdoor-Kurs im Böhmerwald. Da verbringen die Paare zwei Tage im Wald. Wir bieten auch einen achttägigen Intensivkurs an sowie einen Wochenendkurs, einen ökumenischen Ehevorbereitungskurs und einen für Paare, die schon lange zusammenleben. Es gibt eine Vielfalt an Kursformaten, aber die allermeisten machen den Tageskurs „Ehe.wir.heiraten_aktiv“.
Wie viele Paare heiraten kirchlich in der Diözese Linz?
Neunhäuserer: Im Jahr 2024 waren es 1.588 Paare. Seit Corona ist die Anzahl der Brautpaare deutlich gesunken: 2015 waren es 2.368 Paare, 2017 2.256 und 2019 nahmen 2.022 Paare teil.
Woran liegt das?
Neunhäuserer: Mit Corona hat sich die Kirchenzugehörigkeit massiv verändert, nicht nur im Bereich der Ehe. Man braucht nur an den Gottesdienstbesuch zu denken – wie der eingebrochen ist.
Die religiöse Großwetterlage und die damit verbundenen fundamentalen Umbrüche können hier nicht weiter vertieft werden. Welche organisatorischen Herausforderungen beschäftigen Sie rund um die Vorbereitung einer Trauung?
Neunhäuserer: Es wird immer schwieriger, Priester und Diakone für die Trauung zu finden. Einen Ritualbegleiter oder Wedding Planner hat man schneller zur Hand. Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn die Bischofskonferenz die Trauungsassistenz nicht nur bei den geweihten Amtsträgern lassen, sondern auf Pastoralassistent:innen ausweiten würde. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die Ehevorbereitungskurse für Pfarren eine pastorale Chance sind.
Wie meinen Sie das?
Neunhäuserer: Ich greife als Beispiel die Pfarre Perg heraus, wo im Pfarrheim Tageskurse stattfinden. Pfarrer Konrad Hörmanseder begrüßt die Paare und nimmt sich auch oft zum gemeinsamen Mittagessen Zeit. Diese Kontaktmöglichkeit ist sehr wertvoll.
Würde es sich lohnen, Werbung für das kirchliche Heiraten zu machen?
Neunhäuserer: Ja, auf jeden Fall. Erst kürzlich hatte ich wieder einen Stand bei der „Hochzeitswelt“, einer Hochzeitsausstellung in Linz. Wir müssen präsent sein und dürfen uns nicht zurückziehen. Für mich selbst kann ich sagen: Ich halte Paare zu gelingenden Beziehungen zu begleiten für eine wirklich sinnerfüllende Arbeit, die ich gerne mache.
Paul Neunhäuserer koordiniert sämtliche Ehevorbereitungskurse in der Diözese Linz. Auf der Website www.dioezese-linz.at/wirheiratenkirchlich kann man sich einen Überblick über alle Fragen rund um eine kirchliche Hochzeit und die angebotenen Kurse verschaffen. Eine gute Hochzeitsvorbereitung trägt wesentlich zu einem gelungenen Fest bei.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

Die KIRCHENZEITUNG bietet vielfältige Angebote für Pfarren:
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>