Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Dürfen Ordensschwestern Red Bull oder Alkohol trinken? Und darf man überhaupt fortgehen, wenn man im Kloster lebt? Das sind nur ein paar der vielen Fragen ihrer Follower, die Sr. Ida Vorel in ihrem Klostertalk auf TikTok beantwortet. Die Kurzvideos hat die Ordensfrau im vergangenen Juni gestartet. „Es war eigentlich mehr als Scherz gedacht“, erzählt sie. Eines der ersten Videos beginnt mit „Schon einmal mit einer Nonne geredet?“ und endet mit der Feststellung, die für viele überraschend sein mag: „Ich bin gar keine Nonne.“
Denn Sr. Ida Vorel ist Ordensfrau, aber keine Nonne im engeren Sinn. Als Nonnen bezeichnet man traditionell Frauen, die in strenger Klausur zurückgezogen im Kloster leben. Sie selbst gehört zu den Franziskanerinnen von Vöcklabruck, einer Gemeinschaft, deren Schwestern auch außerhalb des Klosters berufstätig sind. Sr. Ida leitet etwa ein Haus für Frauen in Notlagen.
Es stellte sich schnell heraus, dass ihre offene, ungezwungene Art gut ankommt. „Ich war überrascht, wie sehr das die Leute interessiert“, erzählt Sr. Ida, die 2012 in den Orden eintrat. Waren es nach dem ersten TikTok-Auftritt noch gut 30 Follower, ging bereits das zweite Video viral – und damit stiegen auch die Zugriffe auf Sr. Idas Profil. Seitdem produziert sie fast jeden Tag ein Video. Stand Anfang März zählt sie rund 43.500 Follower.
„Ich bin mit Social Media aufgewachsen“, erzählt die 32-jährige christliche Influencerin auf die Frage, wieso sie von Beginn an keine Berührungsängste gegenüber TikTok hatte. „Social Media ist ein Lebensraum und deswegen müssen wir dort präsent sein“, erzählt sie. Im Schnitt 20 Minuten pro Tag investiere sie in ihren TikTok-Kanal, wobei die Videos normalerweise zwischen zwei und drei Minuten dauern. Sie sind spontan, ungefiltert, zwar professionell gemacht, aber nicht auf perfekt getrimmt. Es ist eine Echtheit, die viele Menschen schätzen.
Sr. Ida selbst lernte die Franziskanerinnen während ihrer Gärtnerinnenlehre kennen, als sie zehn Tage auf Zeit im Kloster verbrachte. Bereits Jahre zuvor in der Schule machte sich ihr rhetorisches Geschick bemerkbar, erinnert sie sich. „Ich konnte mich gut herausreden, was auch nützlich war, wenn ich einmal nicht so gut vorbereitet in ein Referat gegangen bin.“
Beste Voraussetzungen also für ihren TikTok-Kanal. Gleichzeitig hat sie ihre Fähigkeiten durch professionelle Medientrainings gezielt weiterentwickelt und geschärft. Mit den kurzen Videos will sie jedenfalls beweisen, dass die Ordensfrauen normal sind und dass das Ordensleben eine lebbare Option ist, gerade auch für junge Frauen. „Ich will ein realistisches Bild von unserer Lebensform vermitteln.“ Oftmals herrsche das Bild vor, dass Ordensfrauen weltfremd seien, eingeschränkt oder gar unfrei leben würden. Sr. Ida nimmt diese Klischees auseinander. „Wir sind Frauen, die ihre Kraft aus Gott schöpfen und die selbstbestimmt und selbstständig sind“, betont Sr. Ida.
In ihren Videos beweist sie immer wieder Humor. Etwa, wenn sie darauf eingeht, ob Ordensschwestern Red Bull trinken dürfen („Ja, sie dürfen!“), im Kloster eingesperrt sind („Nein, sind sie nicht!“) oder fortgehen dürfen. Zu Letzterem sagt sie: „Ich bin keine 20 mehr, sondern Anfang 30. Ich und meine Freundinnen, wir gehen nicht mehr fort, wir kochen miteinander, wenn wir uns treffen, und wollen bald schlafen gehen. Das ist also keine Frage des Klosterlebens, es ist eine des Alters.“
Auffällig ist dabei generell, dass sich die meisten Fragen ihrer Follower beim Klostertalk um Verbote drehen. Sr. Ida sieht ihr Leben jedoch selbst viel weniger mit Verboten und Restriktionen verbunden. „Es geht für mich darum, zu sehen, was ich für meinen Lebensweg brauche.“ Und wenn das einmal ein Glas Aperol für den Genuss ist, sei das natürlich auch für eine Ordensschwester voll in Ordnung.
„Ich möchte den Leuten nicht erzählen, dass mein Weg der einzig richtige ist. Ich kritisiere das bei manch anderen christlichen Influencern, dass die viel mit der Moralkeule unterwegs sind.“ Mit ihrer Art schaffe sie es, die Menschen ohne Zwang für den Glauben zu interessieren. „Es ist schön, wenn ich merke, dass sich meine Follower wieder mit Glaubensfragen beschäftigen.“ So hätte sie nie gedacht, dass sie einmal ein Video mache, wie man Rosenkranz betet. „Also ich glaube, wenn ich ein Konzept gemacht hätte, das wäre nicht vorgekommen. Ich habe es aber gemacht, weil die Leute es sich gewünscht haben, und ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, dass das endlich jemand verständlich erklärt.“
Obwohl Ida Vorel den respektvollen Austausch mit ihrer Community schätzt, bleibt auch sie von Hass und Häme im Netz nicht verschont. Besonders ihre freiwillige Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit sorgen bei manchen für abwertende Kommentare.
„Ich glaube, eine Frau, die aus eigenem Willen ehelos und sexuell enthaltsam lebt, ist für manche Männer eine Bedrohung. Da denke ich mir: Leute, ihr habt richtig große Probleme, aber ich bin es nicht“, sagt sie selbstbewusst.
Statt solche Angriffe zu ignorieren, greift sie manche der untergriffigen Kommentare in ihren Videos auf und ordnet sie sachlich ein.
Wenn die Ordensschwestern pauschal als unsportlich abgestempelt werden, spricht Sr. Ida offen über Bodyshaming. Und wenn Hasskommentare gezielt verletzen sollen, benennt sie diese klar als eine Form von Gewalt gegenüber Frauen.
Sr. Ida Vorel betont: „Natürlich kann ich mich ärgern, ich kann aber auch die blöden Kommentare für etwas Positives nutzen.“

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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