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Den Verführer namens Zucker bändigen

LEBENS_WEISE

Zucker per se ist nicht gefährlich, sagt Brigitte Bäuerlein, Expertin für Ernährung und Haushaltwissenschaften. Problematisch wird nur ein „Zuviel“ des Süßen. Bäuerlein erklärt, wie man im Alltag zu einem gesunden Maß an Zucker kommt.

Ausgabe: 04/2026
20.01.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Zucker der durch eine Sieb auf einen Krapfen gestreut wird.
Zucker der durch eine Sieb auf einen Krapfen gestreut wird.
© JOSE / ADOBE STOCK

Zucker ist eine gute Energiequelle für uns, weil er relativ schnell und problemlos in Energie umgewandelt werden kann. „Wir leben süß, weil wir so konditioniert sind auf den Süßgeschmack. Das geht bereits los, wenn wir Babys sind und gestillt werden, denn die Muttermilch ist schon sehr süß.

 

Unser Gehirn lernt, dass Zucker effektiv und gut für uns ist“, erklärt Ernährungsberaterin Brigitte Bäuerlein. „Im Lebensmittelsortiment im Supermarkt finden wir überall Zucker und Süßes. Es hat ja auch sehr viele gute Eigenschaften: Zucker konserviert, macht das Gebäck fluffig und leicht.“ Die tägliche Konfrontation mit Süßem, unsere Gewohnheiten (z. B. das tägliche Stück Kuchen nach dem Essen) und das erlernte Verhalten liegen unserem Drang nach Süßem zugrunde, „doch Zucker per se ist nicht schädlich“, sagt Bäuerlein. 

 

Zu viel schadet


Im Gegensatz zu Salzigem oder Saurem haben wir beim Zucker keine Grenze, wo wir einfach aufhören, wenn wir genug haben. Und anders als beispielsweise Fett, wo man von „guten“ (pflanzlichen) und „schlechten“ (tierischen) Fetten spricht, kann man Zucker nicht in solche Kategorien einteilen. Honig oder Datteln sind zwar keine Gummibärchen, doch sie enthalten dennoch Zucker und ein Zuviel kann genauso zu gesundheitlichen Problemen führen. „Alles, was wir zu viel essen, führt zu Übergewicht, und das ist die Grundlage für viele Folgekrankheiten. In Deutschland – in Österreich ist es wahrscheinlich auch so – sterben die meisten Menschen an Herzinfarkt. Übergewicht ist hier ein großer Risikofaktor. Aber auch für Krebs oder Diabetes. Mehr als 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig“, schildert Bäuerlein.  

 

Bewusst darauf achten


Auch wenn es schwierig sei, könne es gelingen, sich vom Zucker abzugrenzen, sagt die Ernährungsberaterin. „Wenn man anfängt zu reduzieren und bewusst auf den Zuckerkonsum zu achten, kann man seinen Geschmack umformen“, sagt Bäuerlein. Pro Tag sollten es nicht mehr als 50 Gramm purer Zucker sein, lautet die offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Man sollte im Blick haben, was täglich auf den Tisch kommt. Das fängt schon beim Frühstück an: Statt eines Fruchtjoghurts sollte ich lieber ein Naturjoghurt mit frischem Obst wählen“, rät Bäuerlein. Wer seinen Kaffee immer mit zwei, drei Löffeln Zucker trinke, sollte versuchen, jeden Tag etwas weniger hineinzugeben. Am leichtesten gelinge der Umstieg bei den Getränken: Verdünnungssaft, ein guter Tee mit Zitrone (und ohne Zuckerzugabe), das Weglassen von Softdrinks, nennt die Beraterin einige Optionen. 


Beim Lebensmitteleinkauf gibt ein Blick auf das Nährwertverzeichnis oder ein QR-Code am Produkt Aufschluss darüber, wie viel Zucker in einem Lebensmittel enthalten ist. Beim Backen kann man beispielsweise immer ein Viertel des Zuckers einsparen und den Anteil je nach Rezept durch etwas anderes ersetzen – ein Ei, Mehl, Nüsse. Weiters rät Bäuerlein zum Kochen mit frischen Zutaten, Kräutern und Gewürzen. Essen sollte langsam gegessen und lange gut gekaut werden. 


Zuckeraustausch- oder Ersatzstoffe wie Süßstoff, Stevia, Xylit oder Erythrit werden manchmal als gesunde Alternative dargestellt, jedoch stehen diese immer wieder in der Kritik wegen ihrer möglichen Auswirkungen auf die Darm- oder Herzgesundheit. Aus Brigitte Bäuerleins Sicht sollten die Menschen hier aufpassen. Zudem helfen die Stoffe nicht, sich vom Süßgeschmack zu distanzieren.

 

Kinder und Süßes


Was Kinder und deren Zuckerkonsum betrifft, rät Bäuerlein, gemeinsam in der Familie zu besprechen, wie man dies handhaben will. Der Umgang darf dabei ruhig entspannt sein.

 

„Ganz verbieten würde ich Süßes auf keinen Fall. Süßes sollte nicht streng weggesperrt oder das Kind durch Entzug bestraft werden. Stattdessen kann es zum Beispiel eine Schatztruhe mit Süßigkeiten für die Woche geben, woran sich das Kind bedienen darf“, sagt die Ernährungsberaterin. Frische Lebensmittel in der Familienküche, Obst, keine stark gesüßten täglichen Lebensmittel sowie das Einbeziehen der Kinder beim Kochen nennt die Expertin als weitere Tipps, wie das Kind einen bewussten Umgang mit Zucker lernen kann.  

 

Infos: www.brigittebaeuerlein.de

Zucker lockt in verschiedensten Formen zum Genuss. Der darf auch sein, doch ein Zuviel kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
Zucker lockt in verschiedensten Formen zum Genuss. Der darf auch sein, doch ein Zuviel kann zu gesundheitlichen Problemen führen.
© Anaumenko / Adobe Stock
Dr. Brigitte Bäuerlein, Irmingard Dexheimer, Der Zuckerkompass, Trias Verlag 2021, 248 Seiten, € 17,–
Dr. Brigitte Bäuerlein, Irmingard Dexheimer, Der Zuckerkompass, Trias Verlag 2021, 248 Seiten, € 17,–
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