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Von Leihoma bis Lesepate

LEBENS_WEISE

Enkelkinder sind ein häufiger Wunsch von potenziellen Großeltern, doch nicht immer erfüllt sich dieser. Beraterin Franziska Mair gibt Tipps, wie man trotzdem das Oma- oder Opasein ausleben kann oder welche Alternativen es gibt.

Ausgabe: 10/2026
03.03.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Auch ohne eigene Enkelkinder können sich Wunschgroßeltern für die nächste Generation engagieren, etwa als Leihoma, Lesepate oder bei der Jungschar.
Auch ohne eigene Enkelkinder können sich Wunschgroßeltern für die nächste Generation engagieren, etwa als Leihoma, Lesepate oder bei der Jungschar.
© Halfpoint / Adobe Stock

Die Geburtenrate in Österreich ist auf einem historischen Tiefstand. Die Gründe dafür sind sicherlich vielfältig, manche Paare wollen, andere können keine Kinder bekommen. Das wirkt sich auch auf potenzielle Großeltern aus, die einen starken Wunsch nach einem Enkelkind verspüren, der sich aber möglicherweise niemals erfüllen wird. Je nach individueller Situation kann das die Beziehung zu ihren Kindern belasten.

 

„Großeltern haben kein Recht, darauf zu bestehen, Enkelkinder zu bekommen“, sagt Familienberaterin Franziska Mair von „Beziehungleben“. „Es ist die Freiheit der eigenen Kinder, das zu entscheiden, und das müssen sie anerkennen.“

 

Motive hinterfragen


Wenn sich der Wunsch nach einem Enkelkind nicht erfüllt, kann sich das anfühlen wie ein Verlust. Vielleicht hatte man schon eine gewisse Vorstellung von sich als Oma oder Opa, blickt neidisch auf Nachbar:innen oder Freund:innen, die die Enkel vom Kindergarten abholen oder mit ihnen auf den Spielplatz gehen, und sehnt sich ebenso danach. „Es ist wichtig, sich das zunächst einmal einzugestehen und sich auf eine Trauerarbeit einzulassen: ‚Ich hätte das gerne, aber es ist nicht möglich und es liegt nicht in meiner Hand‘“, sagt Mair. Es sei, als ob man etwas verliere, was einem wichtig ist, sodass man dies auch ein Stück weit betrauern müsse. 


Man könne sich fragen: Was erwarte ich mir? Was würde es für mich bedeuten, wenn ich ein Enkelkind hätte? Ist es Prestige, also dass ich mehr Ansehen habe in der Gesellschaft, weil ich Oma geworden bin, oder liebe ich Kinder einfach und möchte ihnen einen Raum geben? Der erste Schritt sei demnach, die eigenen Motive zu hinterfragen, sagt Mair: „Was würde mir mit einem Enkelkind geschenkt, was vermisse ich – da kann ich mit der Trauerarbeit beginnen.“

 

Viele Möglichkeiten


Doch auch wenn man keine eigenen Enkelkinder hat, gibt es viele Möglichkeiten, das Oma-Gefühl auszuleben, sagt Franziska Mair: „Wenn mir Kinder sehr am Herzen liegen, kann ich mich als Leihoma engagieren, bei den Lerncafés der Caritas, um Schüler:innen zu unterstützen, als Lesepatin oder Lesepate in der Volksschule oder auch als Aushilfe im Kindergarten (bei pädagogischer Qualifikation). Es gibt auch Initiativen, die Alleinerziehende in Krisensituationen unterstützen, auch dort könnten Pensionist:innen helfen, sowie bei Besuchsdiensten, im Hospiz, bei Vereinen, in der Pfarre (etwa bei Jungschargruppen). 


„Man kann sich auch in der Nachbarschaft engagieren. Junge Familien, die zuziehen, sind heilfroh, wenn sie einen Babysitter haben und die Eltern einen Abend zu zweit verbringen können“, rät Mair weiters. Für all diese Tätigkeiten brauche es natürlich den Aufbau von Vertrauen und einer Beziehung zu den Kindern, sodass man diesen nicht fremd ist, wenn man sie etwa als Leihoma betreut. Oftmals gibt es auch eine Einschulung, Vorgespräche und/oder Basiskurse, bevor man mit der Tätigkeit beginnt.

 

Für die nächste Generation


Franziska Mair fällt noch eine weitere Ebene ein, mit der man sich als junger Pensionist oder junge Pensionistin auseinandersetzen könnte. Anstatt die eigene Erfüllung auf ein Enkelkind zu fixieren und alles andere auszuklammern, könne man sich fragen: Was hat mir die Gesellschaft gegeben, und was möchte ich zurückgeben? Damit meint sie Ideen und Wege, der nachfolgenden Enkelkindergeneration ein lebenswertes und gutes Umfeld zu hinterlassen. „Es geht darum, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und sein Leben so zu gestalten, dass die Natur und die ganze Schöpfung noch für die nächste Generation lebenswert ist.“ Sie selbst und ihr Mann hätten beispielsweise ihr Auto verkauft und nutzen stattdessen die öffentlichen Verkehrsmittel.

 

Mut machen


Zudem hält sie es für wichtig, der nächsten Generation auch Mut zu machen fürs Leben. Sie beobachte, dass wir in einer Angstgesellschaft leben und gerade die 14- bis 25-Jährigen durch das, was sie bisher durchgemacht haben und durchmachen – etwa Corona, den Ukraine-Krieg, den Einfluss von Social Media –, überfordert sind. „Wenn ich keine eigenen Enkelkinder habe, könnte ich überlegen, wie ich diese junge Generation abholen könnte, und Angebote in diese Richtung setzen“, sagt Franziska Mair. 

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