Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Lauer Sommerabend, die Grillen zirpen, das Bier ist gekühlt, die Kohlen glühen – die Grillsaison ist in vollem Gange. Würstel und Kotelett brutzeln auf dem Rost. Hier erweist sich der christliche Mann als christlicher Mann.
Zumindest wenn es nach dem Texaner Ken Paxton, Trumps Kandidat für den US-Senat, geht. Seinen demokratischen Rivalen James Talarico, Lehrer und Theologe, beschimpft er als „Tofu-Talarico“ und „Low-T-Talarico“, dem es an Testosteron fehle. Trump schlägt in dieselbe Kerbe: „Er ist Veganer, du kannst als Veganer in Texas nicht gewählt werden.“ Talarico ist in Wahrheit weder Vegetarier noch Veganer, aber vehementer Kämpfer gegen den christlichen Nationalismus – aus christlicher Überzeugung. In der Lügenwelt der MAGA-Anhänger ist „Vegetarier“ oder noch schlimmer „Veganer“ eine Erniedrigung. „Seht ihn euch an! Kein Fleisch, kein Testosteron, kein Mann – und der soll Christ sein, euch im Senat vertreten?“
Und wie sieht es am heimischen Grill aus? Passen Tofu und Taufe zusammen? Der Verzicht auf Fleisch (= vegetarisch) oder tierische Produkte generell (= vegan) ist in der christlichen Tradition lange verankert. Es gibt keine allgemeinen Speisevorschriften, aber Fastenzeiten. In der orthodoxen Kirche bedeutet Fasten überhaupt den Verzicht auf tierische Produkte und damit vegane Ernährung. Der heilige Benedikt schreibt seinen Mönchen vor, dass nur Kranke und Schwache das Fleisch von Vierbeinern essen sollen. Fleisch war im Alltag der Menschen über Jahrhunderte ein Luxusprodukt, und auch heute können sich weltweit nur wenige regelmäßig Fleisch leisten.
Wichtiger als vegetarisch oder vegan sind grundlegende Überlegungen: Werden die Lebensmittel nachhaltig produziert? Habe ich Achtung für das Leben von Tieren und Pflanzen und werfe ich möglichst wenig weg? Regional, saisonal, möglichst biologisch ist eine gute Leitlinie. Das hochverarbeitete „Wie-Würstel“ mit Geschmacksverstärker und Soja aus Übersee ist damit rausgefallen. Aber ein gegrillter Tofu aus heimischem Anbau, was soll daran unchristlich sein? Tofu und Taufe, das geht zusammen. Ob dazu auch Testosteron gehört, ist eine andere Frage. Und die beschäftigt Paxton, Trump und Co. womöglich mehr als die Taufe.

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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