Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.
Wie sollen sich Großeltern verhalten, wenn es um die Weitergabe des Glaubens in der Familie geht? Da ist einmal die religiöse und kirchliche Großwetterlage, auf die die Großeltern nur bedingt Einfluss haben. Dann gibt es aber noch die innerfamiliäre Situation, die mitbestimmt, inwieweit Großeltern an der Weitergabe des Glaubens mitwirken können. Da gibt es große Unterschiede. Manche Kinder und Enkel gehen bewusst den spirituellen Weg, wie sie ihn von ihren Eltern und Großeltern her kennen. In diesen Fällen ist es für die Großeltern ein Leichtes, ihre religiösen Vorstellungen und spirituellen Praktiken mit den Kindern und Enkeln zu teilen. Für viele Großeltern ist das die ideale Situation, die sie sich wünschen.
Sind den Eltern Religion und Kirche zwar egal, haben sie aber eine neutrale oder freundliche Haltung dazu, laufen die Enkel, was das religiöse Leben betrifft, vielleicht bei den Großeltern mit. Sie bekommen, wenn sie mit den Großeltern zusammen sind, mit, was diesen ihr Glaube bedeutet. Sie gehen mit den Großeltern in die Kirche und beten mit ihnen.
Für manche Eltern haben Glaube und Kirche keine Bedeutung. Sie sind dem Glauben und der Kirche gegenüber aber nicht neutral, sondern dezidiert kritisch oder sogar feindlich und eingestellt. Sie passen höllisch auf, dass ihre Kinder vor jeder Form von religiöser Beeinflussung verschont bleiben. Mit dem Enkelkind zu beten oder mit ihm einen Gottesdienst zu besuchen, ist dann ein absolutes Tabu. Von den Großeltern wird erwartet, sich in jeder Hinsicht, was Religion und Kirche angeht, abstinent zu verhalten.
In solchen Fällen wird es für Großeltern nicht einfach sein, wie sie sich religiös gesehen im Umgang mit den Enkelkindern verhalten. Sie sind auf der Hut, ja nichts Falsches zu sagen, und müssen sich ständig darauf gefasst machen, von ihren Kindern korrigiert oder gestoppt zu werden. Trotzdem müssen sie sich zurückhalten und die Regeln ihrer Kinder beachten. Das gebietet der Respekt gegenüber ihren Kindern, in deren Hoheitsgebiet sie Gäste sind.
Großeltern sollten entsprechend ihren Möglichkeiten ihren Beitrag dazu leisten, dass der Glaube in ihrer Familie nicht verloren geht – unter Beachtung der jeweiligen familiären Situation. Sind sie nicht darauf fixiert, dass ihre Nachkommen ihren Glauben übernehmen, können sie ihren Enkeln Appetit machen auf die Vielfalt an spirituellen Möglichkeiten, die ihnen jenseits bisher üblicher spiritueller Erlebnisorte, wie der Besuch eines Gottesdienstes einer ist, zur Verfügung stehen. Ich denke an Naturerlebnisse wie Waldspaziergänge, den Vögeln lauschen, sehen, was da alles im Waldboden lebt, oder nächtliche Wanderungen mit Mond und Sternen. Oder an einen Konzertbesuch. Auf die Frage „Ist ein Auftritt auf der Bühne für Sie ein Gottesdienst, dem sie beiwohnen, oder einer, den sie halten?“ antwortete der Musiker Bruce Springsteen, dass ein gelungenes Konzert für ihn eine Erfahrung von Transzendenz sei. Das trifft auch auf viele junge Leute zu, für die ein Popkonzert ein spirituelles Erlebnis sein kann.

Hannah Bilgeri MA ist Pastoralassistentin in Ausbildung in der Pfarre Bruder Klaus in Dornbirn Schoren.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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