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Was glauben Sie eigentlich: Sind Christen zur Wahrheit verpflichtet?

GLAUBENS_GUT

Eine eigentümliche Frage. Von Kindesbeinen an wird uns doch vermittelt, nicht zu lügen und uns um Wissen zu bemühen. Was ist daraus geworden?

Ausgabe: 26/2026
23.06.2026
- Michaela Quast-Neulinger
Schreibmaschine mit einem Aufdruck auf dem Papier: Fake News
Schreibmaschine mit einem Aufdruck auf dem Papier: Fake News
© Markus Winkler auf Pixabay

Doris Helmberger stellt in „Die Furche“ vom 18.6. fest, dass sich viele Menschen in „parallele (Propaganda-)Welten“ verabschiedet hätten: „Irrsinn, Lügen, Geschmacklosigkeit: Der Zirkus, der den Menschen dort geboten wird, scheint erträglicher als die Wahrheit hochkomplexer Probleme“. Menschen sind abgedriftet in andere Sphären, aus Wut, Verzweiflung, Überwältigung – manchmal aber auch aus Absicht. Wahrheit stärkt den Frieden, Lüge und Propaganda nähren die Logik des Stärkeren.

 

Im Doppelpack


Christinnen und Christen aber sind auf Wahrheit und Liebe verpflichtet. Beide gibt es nur im Doppelpack. Wo die Wahrheit stirbt, ist auch die Liebe tot und damit die Gemeinschaft. Papst Leo XIV. stellt die Wahrheit in das Zentrum seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“, 69-mal taucht der Begriff auf. Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit sind die Grundlagen des Zusammenlebens (Magnifica Humanitas 33). Wenn die Wahrheit egal geworden ist, weil die Welt von Lügen und Propaganda beherrscht wird, werden die Beziehungen zu den Mitmenschen auf die Probe gestellt. Immer öfter erlebe ich, wie Menschen in Erzählungen aus Esoterik, Online-Portalen und Verschwörungswelten abgleiten und das Gespräch mit ihnen unmöglich wird. Begriffe werden umgedeutet. Was einst „Deportation“ hieß, die gewaltsame Vertreibung von Menschen, nennt man nun „Remigration“. Gewalt wird zum Normalfall erklärt. 

 

Standhaft gegen Lüge


Die neuen technologischen Möglichkeiten ermöglichen die Verbreitung von Lüge, Hass und Propaganda in ungeahnter Geschwindigkeit. Die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion, zwischen wahr und falsch werden gezielt verschoben – für Hannah Arendt ist dies der Schritt in den Totalitarismus (MH 134).


Lassen wir uns nicht verführen. Wahrheit und Liebe sind unsere Pflicht, nur in ihnen können wir die Logik des Friedens wachsen lassen (MH 212). Das kann schmerzhaft sein, gerade im Kontakt mit jenen, die bereits in der Lüge leben. Aber irgendjemand muss es ertragen und standhaft nach der Wahrheit suchen.

Michaela Quast-Neulinger
Michaela Quast-Neulinger
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