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Schuldgefühle in den Müll - Serie Wenn Enkeln der Glaube fehlt Teil 3/4

GLAUBENS_GUT

Viele Großeltern erleben, wie der Glaube, der ihnen wichtig ist, bei den nachfolgenden Generationen verloren geht. Doch es gibt keine Enkel ohne Gott, sagt Wunibald Müller. 
 

Ausgabe: 25/2026
16.06.2026
- Wunibald Müller
Zwei Mülltonnen am Straßenrand
Zwei Mülltonnen am Straßenrand
© Eduard Goricev

Großeltern, die miterleben müssen, dass ihren Kindern oder Enkeln der Glaube nicht viel bedeutet, fragen sich manchmal, ob sie bei der Weitergabe des Glaubens Fehler gemacht und sich damit schuldig gemacht haben. Wenn sie diese Frage ehrlich beantworten, entdecken sie mitunter, dass sie tatsächlich das eine oder andere falsch gemacht haben. Sie haben vielleicht ihre Kinder religiös zu streng oder zu fromm erzogen. Oder sie haben ein Gottesbild vermittelt, das den strafenden Gott zu sehr in den Mittelpunkt gerückt hat. Andere müssen sich eingestehen, dass die Art und Weise, mit der sie ihren Glauben vorgelebt haben, nicht berauschend und wenig überzeugend war. 

 

Zur eigenen Verantwortung stehen


Wenn Großeltern feststellen, dass sie sich schuldig gemacht haben, weil sie zum Beispiel zu streng waren, zu unkritisch eine religiöse Enge vermittelt haben, zu wenig auf die Bedürfnisse und Interessen ihrer Kinder und Enkelkinder geschaut haben, sollten sie dazu stehen und nichts schönreden. Das muss aber nicht dazu führen, dass sie sich deswegen ständig heruntermachen und sich allein die Schuld daran geben, dass sich Kinder oder Enkel vom Glauben abwenden. Auch ist es wichtig, dass sie nicht ihre Bemühungen aus dem Blick verlieren, ihre Kinder und Enkelkinder so gut, wie es ihnen möglich war und sie es für richtig hielten, zu erziehen. 

 

Schuldgefühle gehören in die Mülltonne


Wenn Großeltern zu dem Ergebnis kommen, dass sie bei der Weitergabe des Glaubens zwar Fehler gemacht, aber nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, sollten sie reinen Tisch machen und sich nicht länger mit etwas belasten, was sie nicht tragen müssen. Ihre Schuldgefühle gehören dann in die Mülltonne, und dort sollten sie sie lassen. Bei manchen Großeltern besteht nämlich die Gefahr, dass sie ihren Schuldgefühlen Hausaltäre errichten, die sie jeden Tag mit Hingabe besuchen. 


Demut ist gefragt


Anders verhält es sich, wenn man etwas bedauert und betrauert. Bedauern und Trauer haben ihren berechtigten Platz. Bedauern verzichtet auf Schuldgefühle, die bei genauerem Hinsehen nicht berechtigt sind, die lähmen und die die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst verhindern können. Diese könnte aber am Ende dazu führen, sich in Demut einzugestehen, dass man nicht über den Einfluss bei den Kindern und Enkeln verfügt, den man vielleicht gerne bei ihnen hätte, und es nicht allein von einem selbst abhängt, wie religiös die Enkel sind oder sein werden. Man könnte zu der Einsicht gelangen, dass man in seinen Nachkommen keine Sehnsucht nach Gott wecken konnte.

 

Dankbar für die Zuneigung


Wenn Großeltern ihr Bedauern und ihre Trauer hierüber zulassen, sind sie mit der Zeit auch empfänglicher für die Dankbarkeit ihrer Kinder und Enkel. Diese sind ihnen vielleicht dankbar, dass sie in all den Jahren, in denen sie als Eltern und Großeltern für die junge Generation verantwortlich und da waren, vor allem ihre Zuneigung erfahrbar machten. Das ist für die Kinder und Enkel dann die tragende Erfahrung, die auch durch manches, was sie in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der Erziehung an Negativem durch ihre Eltern und Großeltern erfahren haben mögen, nicht erschüttert worden ist.

 

Buchtipp

Wunibald Müller: Enkel ohne Gott? Wenn der Glaube in Familien verloren geht.

Verlag Herder 2026, 192 Seiten, Hardcover 22,70 €, eBook 16,99 € 

 

Wunibald Müller
Wunibald Müller
© Stefanie Crum
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